“Bioengineering in Ireland”-Wochenende
Super Wochenende gehabt.
In Galway war die „Bioengineering… in Ireland 12“ – Konferenz.
Also Freitag hinschüsseln und sich ab Mittag fünf Stunden Vorträge anhören und am Samstag nochmal knappe acht. Hochinteressant.
Meinen Vortrag musste ich am Samstag früh um 9.40 Uhr halten – entsprechend wenig hab ich am Freitag dann auch getrunken. Naja, war nicht so schlimm aber am Freitag zu präsentieren ist bestimmt angenehmer :o)
Orlaith, Oran, Ruth und Matt haben am Freitag präsentiert – woraufhin sie sich alle erstmal eine Runde in den Whirlpool geknallt haben um sich dann irgendwann später (sehr relaxed und mit nassen Haaren) noch ein paar Vorträge rein zu ziehen.
Verpflegt wurde man auch ganz lustig.
Freitagmittag typisches irisches Lunch: Gemüsesuppe mit Sandwichen. Die Sandwiche natürlich ungetoastet versteht sich.
Abends ein nettes Abendessen mit Gemüsesuppe als Vorspeise. Zum Fleisch lag am Anfang noch ein Kartoffel auf dem Teller. Bei allen außer Mike *lol*. Und als er das reklamiert hat wurde ihm ein Extrateller mit vier Kartoffeln gebracht. Und eine Minute später wurde eh noch eine ganze Schüssel Kartoffeln auf jeden Tisch gestellt :o)
Danach war ein (legendäres) Table Quiz angesagt.
Die Gruppen waren gewöhnungsbedürftig verteilt. Die Siegergruppe war ein randvoller Tisch mit etwa 12 irischen Studenten, die zweiten war ein Tisch mit 6 Profs. Aus unserem Tisch hat min drei Gruppen gemacht und natürlich bin ich in einer Dreiergruppe als Deutscher mit noch einem Amerikaner (Mike) und dem anderen Mike.
Das wär ja nix schlimmes gewesen. Aber dummerweise waren halt solche Fragen dabei wie: Welche irische Partei wurde 1904 gegründet? Wie heißt der Vorsitzende der grünen Fraktion in Irland? Welches County (von etwa 40) kommt als letztes im ABC?
Lustig mit nur einem echten Iren in der Gruppe.
Entsprechend landeten wir dann auch auf dem ehrenvollen letzten Platz :o)
Was uns aber nicht weiter störte.
Samstag dann mein Vortrag in der Früh über unsere Versuche die ich hier halt so mache und ein paar Ergebnissen.
Lief ganz gut. Hübsch frei gehalten aber halt in einer Fremdsprache vor Fachpublikum. Aber danach haben mir so ziemlich alle aus unserer Gruppe gesagt, dass sie’s ganz gut fanden.
In der gleichen Session waren auch noch Deirdre, Vinny und Fergal und David hat sie gechairt.
Sehr angenehmer Chairman.
Überhaupt scheint mich David zu mögen. Er findet immer, dass ich schon ewig viele Ergebnisse hab und dass ich mich freuen sollte darüber. Auch, was nebenbei noch an neuem Zeug anfällt gefällt ihm. Die Bilder der Microcracks aus dem Micro-CT-Scanner haben ihm auch sehr gefallen.
Mal schaun ob sie da in die Richtung noch mehr forschen wollen. Wäre auf jeden Fall interessant.
Naja, auf jeden Fall war ich nach dieser Session dann auch sehr entspannt. Mit Whirlpool war aber da leider nix da relativ kurz darauf Mittagessen und die Samuel Haughton Lecture war.
Die Samuel Haughton Lecture ist ein traditioneller Vortrag von einem wichtigen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Biomechanik. Und dieses Jahr war es David Taylor.
Super Vortrag über die Theorien in der Biomechanik an Beispielen seiner Entdeckungen der letzten 15 Jahre. Eine der Einleitungen war denn auch seine Gedanken zum Hängen von Leuten. Makaberes Beispiel aber mit großen Unterhaltungswert fürs Publikum. Es ging um die Höhe, die ein Gehängter fallen muss. Und diese Höhe kann man ja mit der Sturzenergie gleichsetzen. Das Problem beim Hängen ist, nicht zu wenig Energie zu haben weil es dann das Genick nicht bricht und der Gehängte einen unangenehmen Erstickungstot stirbt. Wenn man aber zu viel Energie hat, kann es der Person den ganzen Kopf abreißen was nicht sehr ansehnlich ist. Nur mit der richtigen Energie sprich Höhe bricht das Genick planmäßig. Ihm lagen jetzt, fragt mich nicht aus welcher Quelle, die Sturzenergien von acht Erhängten vor und wie die Hängung ausging. Das Problem war, dass die Zahlen keinen Sinn machten da die Energie für ein erfolgreiches Hängen um den Faktor vier variierten. An diesem Exempel machte er klar, dass man manchmal den Blick auf das primär nicht offensichtliche legen sollte: er trug die Energien in ein Diagramm mit den Jahreszahlen (1800-1900) der Hängung ein und siehe da es ergab sich tatsächlich eine gute lineare Relation mit dem Datum.
Sein Rückschluss daraus war, dass sich die Techniken und die Materialien gerade in dieser Zeit der Industrialisierung stark verbesserten was niedrigere Energien in Relation zur fortschreitenden Hängungszeit erbrachte.
Ein echt hörenswerter Vortrag. Und David ist halt einfach der coolste Prof den ich kenne.
Dann den ganzen Nachmittag noch viele weitere (teils auch un-) interessante Vorträge.
Zum zweiten Lunch gab es zur Abwechslung Gemüsesuppe mit Sandwiches.
Und das Abendessen wurde eingeleitet von: Gemüsesuppe.
Was natürlich dann schon zu großem Spaß am Tisch führte. Ob man ein Supersonderangebot vom örtlichen Supermarkt ausnutzen müsse oder ähnliches.
Auch erklärte ich Niamh, dass es morgen regnen wird weil sie und ich unsere Suppe nicht aufessen wollten. Auch dass es vermutlich nur über unserem Auto regnet weil alle anderen ihr Suppe aufgegessen hatten.
Am nächsten Tag war das Wetter allerdings erstklassig. Sonnenschein und 7°C (plus!). Ihr daheim freut euch, wenn es sowas in minus hat, hab ich recht?
Nach dem Galadinner dann gemütliches Konferenzausklingenlassen. Mit viel zu viel Wein aber sehr großem Spaß.
Für manche war es allerdings deutlich zu viel.
Nachts um drei haben sie uns dann aus dem Konferenzraum gescheucht und ergo zog der Rest der Leute (inzwischen Altersdurchschnitt bei etwa 25 angekommen) in die Empfangshalle. Dort gabs dann halt keine Getränke mehr aber das war wohl auch besser so.
Dummerweise ließen die Hotelleute aber ihre Rezeption unbeaufsichtigt während dort 30 angetrunkene junge Leute abhingen. Und ich weiß nicht wie durchgeknallt und betrunken man sein muss um dann hinter die Theke zu gehen und dort irgendwelches Zeug anzustellen. Auf jeden Fall waren irgendwann dort zwei Knaller zu Gange und haben das Mikrophon entdeckt für Durchsagen. Und haben dann ein paar Minuten lang unverständliches Zeug durch die Eingangshalle durchgesagt. Bis nach nicht allzu langer Zeit von irgendwo her ziemlich schneller Schrittes ein Hotelangestellter kam und die Leutchen vertrieben hat. Knallfrösche.
Auch hab ich am nächsten Tag erfahren, dass es einer geschafft hat in der Bar hinter die Theke zu gehen und sich vier Bier zu zapfen. Als wenn das nicht schon hyperpeinlich wäre, wollte er sie dann nicht mal bezahlen als sie ihn dazu aufgefordert hatten. Irgendwann konnte ihn dann doch jemand dazu überreden.
Aber ich habe das Gefühl, dass er morgen etwas Stress von seinem Supervisor bekommen könnte.
Aber ich hatte einen großen Spaß an dem Abend und hab sogar noch jemand deutsches getroffen. Sonja ist für ihren PhD in Belfast zur Zeit und wir hatten eine ganz lustige Unterhaltung auf Deutsch. Woher auch immer sie wusste, dass ich Deutscher bin – hatte ihr irgendjemand erzählt.
Aber trotzdem verblüffend, wie ausgeprägt doch die deutsche Höflichkeit ist – sobald ihre Arbeitskollegin zu uns stieß haben wir zwei uns (zumindest größtenteils) auf Englisch weiter unterhalten.
Das muss ich meinen Doof-Chinesen hier noch beibringen, dass man sowas machen könnte rein theoretisch und höflicherweise.
Naja, egal.
Was noch?
Ach ja. Bei der Konferenz werden alljährlich Preise vergeben für die besten Präsentationen von (PhD-) Studenten und noch zwei Medaillen für besonders coole Vorträge von allen anderen.
Insgesamt waren ja etwa 130 Vorträge am Start davon grob geschätzt 60 – 70% von Studenten.
Für die Preise hatte man dieses Jahr erstmals in zwei Kategorien geteilt und zwar „Orthopädie“ und „alles andere“ um dann in beiden die drei besten Präsentationen zu küren.
Und der Preis für die drittbeste Präsentation ging an: Oran Kennedy
Und der für die zweitbeste Präsentation an: Orlaith Brennan
Beide vom „Bone for Life“ Projekt und meine beiden unmittelbarsten Arbeitskollegen.
Cool. Hat beide sehr gefreut und natürlich auch alle anderen Teilnehmer aus Dublin.
Oran hatte letzten Jahr schon den zweiten Preis gemacht. Und Orlaith war glaub ich nicht schlecht überrascht über ihren Preis.
Die andere Ehrenmedaille ging an David Taylor für seinen coolen Vortrag.
Sprich ich bin von 37,5% der Geehrten tagtäglich umgeben. Na, auch was schönes :o)
(Und weil ich als einzigster Bone-for-Lifer somit keine Ehrung bekommen hab und wir das natürlich sehr lustig fanden wurde mir (im kleinen Rahmen (im sehr kleinen Rahmen)) noch die Ehrenmedaille verliehen weil ich als deutscher Teilnehmer so schön präsentiert hab.
Als im sehr kleinen Rahmen heißt, dass Niamh mir die Medaille verlieh und Deirdre ein Ehrenfoto von der Preisverleihung schoss. Die Medaille für „deutsche Präsentationstechnik“ (oder was auch immer genau) war ein glänzendes 20 Cent-Stück – mit dem deutschen Brandenburger Tor hinten drauf!
Und die ganze Preisverleihung fand im Rahmen der linken hinteren Ecke von Tisch 7 statt wo halt grad wir drei rumsaßen …)
Alles in allem also eine sehr gelungene Konferenz die ich sehr genossen habe.
Außerdem verlief mein erster Vortrag vor Fachpublikum in einer Fremdsprache ja auch ziemlich gut.
Was will man mehr für ein Wochenende?