Unnode
Wenn man in seinem Bett liegt und an seinem Radiowecker einen Sender mit halbwegs vernünftigen Programm sucht, wird einem mal wieder bewusst wie schrecklich die Welt ist.
Man könnte es auch mit dem Fachbegriff aus Douglas Adams Wörterbuch der unbenannten Gegenstände, dem “tieferen Sinn des Labenz” erklären:
“Unnode:
Alles, was für jedermann und -frau anziehend wirken soll und gerade deswegen konturlos und stinklangweilig ist, z.B. deutsche Fernsehunterhaltung für die ganze Familie.”
Gibt es noch Radiosender, die sich nicht ständig mit lästigen Gewinnspielen selbst beweihräuchern?
Wenn man doch mal einen findet, dann spielt er Volksmusik oder Schlager.
Oder sie spielen die gleichen “topaktuellen Top-Ten-Hits” zehnmal pro Stunde. (Sie werden von jedem Radiosender so oft gespielt, weil jeder andere Sender sie auch so oft spielt. Ein Teufelskreis der aktuellen Hits. Nach drei Wochen hängt der Hit dann endgültig dem letzten Hörer zu den Ohren heraus und ein neuer topaktueller Hit muss her. (Dass man topaktuelle Hits mindestens doppelt so oft spielen muss wie die Konkurrenz wird jedem neuen Moderator oder Musikredakteur bereits am ersten Arbeitstag gut leserlich auf den Unterarm tätoviert.)
Welches Lied dann zufällig ein Hit werden darf bestimmen irgendwelche geschmacklosen Radiosender-Chefredakteure oder die Geburtstagskinder der Musikredaktion.)
(Wird Radiomoderatoren Ohrenkrebs als Berufskrankheit anerkannt?)
Schlechte Radiosender erkennt man irgendwie auch an dem immerwährenden Slogan “das beste aus …”. Vollkommen egal, aus was, aber allein mit der Erwähnung haben sie sich exakt dafür schon disqualifiziert.
Ich glaube ich mache es wie bis heute früh auch und tausche diese Unnode-Radiostationen wieder gegen einen gemütlichen Nachrichtensender aus.
So viel Leid kann in der Welt gar nicht geschehen um mir das Aufstehen mehr zu vermiesen als eine beliebige Auswahl “topaktueller Hits” …
Das erinnert mich irgendwie spontan an mein Erlebnis mit Antenne Bayern am Silvester 2005/06…