Animal Handling Course

Hört sich im Englischen gar nicht so negativ an wo ich gestern und heute war:
Zu deutsch: Wie geht man mit Tieren in Tierversuchen um.

Super interessant. Hübsch kontrovers.

Am coolsten fand ich, dass man nicht nur uns angehenden Wissenschaftlern beibringen wollte, was man am besten mit den Tieren macht, sondern dass für heute als Abschlussdiskussion auch drei Leute von einer extra Organisation gegen Tierversuche (die IAVS) eingeladen wurden. Sehr witzig.
(Der Kurs war übrigens von LAST Ireland.)

Doch mal von Anfang an:
Wir haben also vor allem viel über den ethischen Umgang mit Tieren gelernt. Dass zum Beispiel ein Tier in einem Tierversuch besser geschützt ist, als ein Mensch in einem Menschenversuch. Um einen Tierversuch durchzuführen braucht man nämlich eine Ausbildung und alles muss eine Ethikkommission durchlaufen die natürlich auch beurteilt, ob der (erwartete) Nutzen größer sein wird als die “Kosten”. Sprich das “Leiden” von Tieren.
Wobei “Leiden” schon sehr früh anfängt. Man darf eigentlich nichts machen, was das Tier unter Stress setzt oder es ihm irgendwie unangenehmer macht als irgend möglich.
Das mal so vorneweg für alle Tierversuchsgegner.

Dann standen auf dem Tagesprogramm erstmal so einfache Sachen wie: wie hebt man eine Maus an, stellt fest ob Männchen oder Weibchen. Gleichiges für Ratten und Kaninchen. Wer trägt die Verantwortung fuer die Tiere? Sicherheit beim Arbeiten mit Tieren. Faktoren die Tierversuche beeinflussen können. Betäubung und Narkose. Und schließlich auch Euthanasie. Oder (um diesen hübschen Euphemismus mal wegzulassen): wie bringt man die Tiere am besten um.

“Am besten” bedeutet immer “am humansten”.
Sprich den Tieren werden nicht ihre Froschschenkel ausgerissen, sondern man schaut, dass man sie ohne jeglichen Schmerz und ohne Angst umbringt! Das Mittel der Wahl hierzu ist meisten: erst betäuben mit ca. 70%igem Kohlenstoffdioxid, dann in 100% CO2 ersticken lassen. Klingt jetzt erstmal schlimm, aber das ist wirklich gut. Da merkt man nichts. CO2-Vergiftung spürt man nichts, das Gehirn stellt seine Funktion so langsam ein, man wird müde und schläft ein. Und Peng ist man im Jenseits.

(Nebenbei lernt man, dass man das nicht bei Karnickeln machen kann, weil die die Luft anhalten sobald sie was komisches Riechen. Hier also intravenös einschläfern. Ist auch nicht mit großem Stress oder Schmerz verbunden.)

Und überhaupt wird ja möglichst viel Stress vermieden für die Tiere.

Ich habe das Gefühl, Tieren in Versuchsanstalten geht es besser als den meisten Haustieren oder Wildtieren.
Wie oft scheißt man sein Haustier an, jagt es aus der Küche, lässt es vor der Haustür warten wenn es Gassi gehen will, lässt es in einem vollgekackten Käfig noch zwei Tage länger sitzen? Oft. Passiert den anderen Tieren nicht.
Was passiert mit einer Maus in Freiheit? Gebohren, ständig lauern Mausefallen wenn man Essen sucht. Katzen sowieso. Und diese Monster töten ja auch nicht gleich, sondern lassen die Mäuse oft noch eine halbe Stunde zappeln. Wie oft muss ein Hase ängstlich vom Feldrand weichen weil ein Auto vorbeifährt? Wie oft flüchtet ein Affe auf den Baum weil ein Puma vorbeikommt?

Gibts im Labor nicht.
Labortiere kennen fast keine Angst.

Ok, sie kennen auch keine Freiheit. Kontrapunkt.
Und sie können nicht “nein” sagen. Im Vergleich zu Versuchen an Menschen.

Aber Haustiere können das auch nicht.
Und alle Tiere die ihr da außen so esst können das auch nicht.

Nur sitzen die meist in kleinen Mistkäfigen und warten auf den Schlachter.

Versuchstiere leben in hübschen (meist sterilen) Käfigen. Und werden so artgerecht gehalten wie nur möglich.

Und der Mensch bringt sie um wann er will. Gleich wie fürs Essen.
Aber humaner.
Also ohne doofen Tiertransporter in dem sich die Tiere von Polen bis zu uns in die nicht vorhandenen Hosen machen und am Schluss in einer Reihe stehen um einer nach dem anderen einen Bolzen ins Hirn zu bekommen.
Ne, so einen Kaese gibt es in normalen Tierversuchen nicht.

Im Gegenteil: Man bemüht sich stets um die drei Rs. Reduction, Refinement, Replacement.
Reduction: So wenig wie Tiere wie möglich. Also möglichst kontrollierte Bedingungen um statistische Streuung gering zu halten um weniger Tiere zu brauchen.
Refinement: State of the Art Versuche. Möglichst wenig “Leiden”.
Replacement: Wenn es ein Modell gibt, dass ohne Tiere klar kommt und ein äquivalentes Ergebnis liefern würde wird das natürlich bevorzugt. Auch wenn eine Erkenntnis am Menschen getroffen werden kann und ethisch vertretbar ist.

Trotzdem bringen wir einen Haufen Tiere um. Klar.

Aber im Vergleich zur Nutztierhaltung immer noch wenig:
Weltweit werden jährlich etwa 26 Milliarden Nutztier gegessen.
Im Vergleich zu jährlich “nur” 100 Millionen Versuchstieren. Also weniger als 1% aller Tiere die umkommen fuer die Wissenschaft.
(Oder in Volumen ausgedrueckt: Für jedes große Steak was ihr esst müsst ihr eine Streichholzschachtel abziehen, dass man fuer euch Medikamente enwickelt oder versteht, wie eure Zellen und eure Gedanken funktionieren, wie man den Krebs heilen koennte, den ihr in 40 Jahren bekommen koenntet oder wie man eure poroesen Knochen dann am besten wieder zusammenflickt. Das ist dann eigentlich gar nicht so viel :-) Doch ist natuerlich schon etwas. Kann ich nicht abstreiten.
Esst in Zukunft nur noch 199g Steaks statt 200g, vergesst die Versuchstiere und fühlt euch besser :-)

Aber die Bilder von putzigen Affen denen Drähte aus dem Hirn ragen sind schon immer wieder erschreckend, nicht?

Merke gerade, dass die Wikipediaseite zu diesem Thema ganz gut ist.

Also, jetzt nochmal zusammenfassend, was ein Raum voll mit 50 angehenden Wissenschaftlern zu Tierversuchen sagt:
Wir bringen Tiere nicht gerne um! (Und erst Recht nicht “zum Spaß”.)
Wir würden liebend gerne Versuche ohne Tiere machen!
Wenn uns diese Versuche denn qualitativ gleich gute Ergebnisse liefern würden!
Solange sie das nicht tun (weil “echte” Organismen eben so unendlich viel komplexer sind als ein simplifiziertes Zellmodel in der Petrischale) wollen wir leider noch nicht ohne Tierversuche auskommen.

Tut uns selber im Herzen weh…

2 Kommentare vorhanden.

  1. Peter schreibt am 10.10.2007 22:50:

    Ich hab das Gefuehl, der Post da oben ist vollkommen wirr. Naja.
    War ein langer Tag und auch viel Info die man da abbekommt.

    Was vielleicht nicht klar geworden ist: Bis jetzt habe ich noch gar nix mit lebenden Tieren zu tun (und werde das vielleicht auch nicht in den naechsten 4 Jahren). Und ich hatte bis jetzt auch nur mit einer einzigen Herde Schafe zu tun. Allerdings auch nur mit deren Knochen auf der Gefriertruhe. Ist nicht so wild. Don’t worry.

  2. Peter schreibt am 03.11.2007 20:48:

    Grade in meinem Online-Kurs gelesen ;-)

    “Recently, researchers have started using lawyers instead of rats in their experiments. Lawyers are more plentiful than rats, and there’s no danger of the experimenters getting attached to the lawyers. Also, there are some things that even rats won’t do.”

 
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