Monaco mit Hindernissen
Es sollte zur sonntäglichen Fahrt nach Eze gehen, einem sehr malerisch gelegenen Dorf hoch in den Hügeln über dem Mittelmeer. Nach einer Nacht, die auf Grund der Einweihungsfete bei Lara und ihrem Mitbewohner Rudi ziemlich verkürzt wurde (5 leere Flaschen Bier am nächsten Morgen fühlten sich ein wenig allein neben 22, auf denen “Champagner” zu lesen war), hatten wir einfach einen Tisch im Restaurant in Eze bestellt. Ich hatte einfach irgendeines in den Gelben Seiten rausgesucht, das mich eben am meisten angesprochen hatte. Nun ja, es sah schon recht hübsch aus und so warnte ich Peter lieber vor, dass es ETWAS teurer werden könnte. “Ja, wieviel denn?” – “Mmmm, so mit 20€ pro Person muss man sicher rechnen”.
Peter einverstanden, also geht die Fahrt an der südfranzösischen Steilküste in Rudis Golf bei glühendem Abendlicht los. Bevor mir Rudi noch dreimal wiederholt hatte, dass die Türschlösser seines Wagens nicht funktionieren, er es deshalb in Nizza (wo ich mein Radl aus schlechter Erfahrung heraus mit drei verschiedenen Schlössern abschließe!) nie absperrte und man es auch nicht zumachen sollte. Ja ja, bin ja nicht taub, mann! Also los.
Wir cruisen bis Monaco, natürlich nur, um mit diesem nach Knete stinkenden Namen an dieser Stelle angeben zu können, denn: Monaco ist HÄSSLICH, völlig zugebaut mit absolut abweisenden Wohnklötzern. Und MICH schaut man mitleidig an wenn ich sage, ich bin im Plattenbau aufgewachsen.
Was macht man in Monaco? Speimühle fahren auf dem dortigen Jahrmarkt, das blinkte so schön bunt. 40m in die Luft sausen, wobei sich die Einzelgondel nochmal überschlug… Die beste Art, eine neue Stadt in kürzester Zeit von oben nach unten zu erfassen.
Ok, das reichte uns von Monaco und wir machten uns auf den Weg zum etwas gehobeneren Restaurant in Eze. Das erste, was an diesem Restaurant leicht befremdlich war: ganze zwei Anrufe von ebendiesem, um unseren Besuch zu bestätigen.
Zweites eigenartiges Element: dieses Hotel-Restaurant hat einen eigenen Pförtner, der einen nach dem Namen fragt, um daraufhin verständnisvoll zu nicken und uns im Restaurant per Telephon schon einmal anzukündigen. Um zu diesem zu gelangen, kann man Lamborghinis und ähnliche Register auf dem Parkplatz bewundern. Kopfrechnung zu diesem Zeitpunkt: vielleicht haben wir heute ja Lust auf ein 30€-Diner. Danach durchquert man einen verwunschenen Garten, der sich mit seinen Springbrünchen, Tierstatuen und säuberlichst gestutzter Vegetation über den gesamten über dem Meer befindlichen Hang zu erstrecken scheint. Nach diesem Spaziergang fanden wir den Eingang zum Restaurant, das sich inmitten des Hotels befand. Genauer erstreckte sich das Hotel auf einige Gassen des Dorfes, einer der Lamborghini-Besitzer lächelt uns in weißem Sportsdress milde-ironisch an… Vielleicht doch etwas teurer? Wo ist die Speisekarte? Gefunden. Was ist das Preiswerteste? Ah, 17€. Wird man davon satt? Naja, es handelte sich um den Käse zum Magenschließen. Die ernsthaften Gerichte beginnen bei 59€ und gehen bis weit über hundert. Pro Nase.
Leider ist die bei uns im Gegensatz zu den restlichen Besuchern nicht vergoldet, also traten wir unauffällig den Rückzug an. Lieber das Telephon ausschalten, bevor man vom Restaurantservice zurückgerufen wird. Doch wie kommt man am besten aus einem Bergdorf mit folgender Konstellation heraus: wir ganz oben, Auto ganz unten, zwischen beiden exakt eine Verbindung. Und das Häuschen mit dem beflissenen Restaurantpförtner genau auf dieser Verbindung.
Gut, wir waren an diesem Abend die einzigen Gestalten im ganzen Dorf, dachten aber dennoch, man würde uns für jemand anderen halten, wenn wir nur unsere Kopfbekleidung und Jacken tauschten und uns so unauffällig wie möglich aus dem Staub machten.
Das Restaurant trug den Namen “La Chèvre d´Or” (Die Goldziege), und so im Nachhinein erinnere ich mich an gewisse Deutschstunden, in denen wir über die Einheit von Inhalt und Form geredet hatten.
Aber wir hatten es geschafft, waren freigekommen und nicht verarmt. Also ab zum Auto, yippie, fix nach Nizza, nächsten Italiener suchen. Dummerweise war vorher ein Anruf beim Autobesitzer nötig:
- Hi Lara, alles klar?
- Ähm, ja. Nur mal angenommen, du hättest beide Türen abgeschlossen, was würdest du tun?
*lange Pause*
- Das Auto ist zu, Lara?
- Mmm, ja.
*lange Pause*
- Lara, wie hast du das denn geschafft???
- Blabla wir dachten blabla keine Absicht blabla tut mir leid blabla kannst du einen Pannendienst rufen?
Doch es gibt sie, die glückliche Fügung: im nächsten Moment kommt in einem in der Pampa verlorenen, ausgestorbenen Dorf ein Pannendienst-Wagen. Nicht für uns, sonder für das einzigste andere Auto auf dem großen Parkplatz. Die Schläue und Hilfsbereitschaft des Herrn haben uns gerettet: es gibt in jedem Golf Cabrio einen kleinen roten Knopf im Kofferraum, mit dem man die Sitzbank umklappen kann (und von dessen Existenz wir selbst bis dato nichts wussten).
Krabbelaktion durch eine 25cm hohe Kofferraumluke, Auto durch die Hintertür aufmachen, und endlich zurück nach Nizza, dort Verzweiflung beim Einparken in den engen steilen Gässchen, und endlich der Gipfel der Ausgefallenheit bei der Restaurantwahl: der Inder in der Nummer 34, rue Droite sah doch ganz ansprechend aus. Danach ein weiter Heimweg bis in die Nummer 32 der selben Straße.
Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
Ach und als kurze Anmerkung noch:
Als wir uns so klangheimlich aus dem Goldziegenhinterhof machten und noch einmal zurückschauten, stellten wir auch fest, warum es etwas teurer war als vermutet. Unter dem Namen auf dem unscheinbarem Schild waren vier Sterne zu sehen.
Ups…
(Ach ja, und hier haben wir das Restaurant und die astronomische Speisekarte.
Nächstes mal vielleicht doch etwas spartanischeres als das…)