Paintball
Am Samstag waren wir mit der Paintball Society des Colleges (RCSI) beim Paintballen bei Barrage in Ashbourne.
Das zweite mal, dass ich das gespielt hab (nach einem mal in Frankreich vor etwa sieben Jahren).
Etwa 30 Leute auf dem Feld, aufgeteilt in zwei Gruppen die sich dann gegenseitig die Overalls mit Farbklecksen vollballern um verschiedene Aufgaben zu erledigen.
Erste Aufgabe war es, eine Flagge die in der Mitte zwischen beiden Parteien hing zu erobern und zu behalten.
Tja, der Punkt hierfür ging nach einer Minute so gut wie an uns. Erst große Diskussion, wer schnell laufen kann etc. Dann der Anpfiff und alle gehen so gemächlich raus aus der Bude. Die Gegner aber auch. Hm. Ok. Taktik? Mir wurst in dem Moment. Wenn der Gegner sich nicht rührt ist er selber schuld. Peter schaltet auf wahnsinnige Geschwindigkeit. Bis ich an der Flagge war, waren die glaub ich noch nicht mal mehr in Schussweite ;-) Dann auch noch zurück gekommen ohne getroffen zu werden. Die restlichen zehn Minuten haben wir dann nur noch zum Spaß etwas rumgeballert. Nötig wäre das nicht gewesen. Gemütlich seine Stellung halten hätte es auch getan.
Leben hatte man unendlich, musste halt nach jedem Treffer zurück zum eigenen Hauptquartier um das zu erneuern.
In der zweiten Runde ging es dann darum bei einem Angriff auf ein verteidigtes Fort sich ein Reihe von Munitionsboxen zu schnappen. Das ging irgendwie auch an uns.
Dritte Runde dann erst eine Munbox erobern und diese dann an ein Zielobjekt bringen. Das schafften die anderen besser.
Sprich zum Schluss ging der Sieg nach Punkten 2:1 für uns aus.
Insgesamt hab ich in den vielleicht 60 Minuten reiner Spielzeit etwa 750 Schuss rausgeholzt. (Weiter 150 fielen bei diversen Ladeproblemen einfach so in die Natur.) Auch war es super windig und auf 20 Meter Entfernung verzog die Munition bis zu zwei Meter im Extremfall was einen dann entweder dazu verleitet, näher ran zu gehen oder mehr zu schießen.
Keine Ahnung, wie oft ich getroffen wurde – und wie oft ich traf – in der Zeit.
Da denkt man immer, Paintball würde junge Leute dazu verleiten gewalttätig zu sein.
Bei mir nicht.
Das war eine witzige Art, sich mal auszulassen undbeim nächsten Trip geh ich sicher wieder mit.
Aber nichtsdestotrotz kam ich ziemlich ernsthaft ins Grübeln.
Hier lässt du dich so oft abschießen wie du willst. Du hast Bock auf Action und rennst jedesmal bis vor und knallst den anderen eines vor den Latz – wenn sie dich nicht schon selbst erwischen vorher.
Du ärgerst dich, wenn sie dich erwischen – weil du dann zurück musst und dich wieder vorkämpfen musst.
Du versteckst dich hinter Reifenstapeln und leeren Ölfässern. Du rennst nur durch den Kugelhagel um weiter vorne zu sein und dem anderen eine drauf zu braten – einfach nur weil du Bock drauf hast.
Wie gesagt: hübsch um sich mal auszulassen.
Aber was wenn du nicht so ein Spielzeug in der Hand hast?
Es nicht drum geht, dem anderen einen Farbklecks drauf zu bletzen.
Du nicht freiwillig nach vorne rennst weil du Lust drauf hast – sondern weil es irgendjemand befielt. Dem irgendjemand befielt etc. Bis du nur noch eine Nummer bist. Schlimmer: deine Einheit ist eine kleine Nummer.
An einer Stelle bist du eine Nummer, und an der Front musst du schauen, dass du den entscheidenden ersten Treffer machst.
Sonst bekommst du keinen billigen Farbklecks auf den Unterschenkel – sondern wenn du Glück hast läufst du in einem Monat wieder…
Der Paintballer ärgert sich über einen Ball auf die Maske – dann sieht er nichts mehr.
Lass das keine Farbkugel sein und du siehst nie mehr etwas. Und musst dir auch keine Gedanken mehr machen über sehen oder nicht.
Wer nimmt sich bitte das Recht, Leute in den Krieg zu schicken?
Mit welcher Rechtfertigung schaut man Menschenleben als Zahlen auf einer Karte an?
Warum muss man als Führungspersönlichkeit den anderen zeigen, wie stark man ist, wenn die einzige Stärke die ist, dass man mehr Zahlen auf der Karte hat, die für einen andere Zahlen ausradieren?
Wer entscheidet über die Schicksale Tausender? Wen schickt man wohin? Wie viel “Verluste” rechnet man sich im Vornherein aus?
Denkt man noch daran, dass das Menschen sind und keine Zahlen?
Dass jeder von denen bis dahin ein Leben geführt hat, gelebt, geliebt hat, geliebt wird / wurde?
Mit welchem Gewissen lasst sich das eigentlich vereinen, dass man sich anmaßt, über anderer Menschen Leben zu entscheiden?
Mit meinem auf keinen Fall. Und irgendwie hat mir das die Paintball-Session vorgestern gezeigt.
Soll einer sagen, Paintball hätte nur schlechte Einflüsse…
Na, hallo Peter!
Na, das sind ja ganz wichtige Erkenntnisse, die das Ballerspiel ausgelöst haben. Hab mich mit Christoph letzthin über dieses Thema unterhalten, und jetzt taucht das plötzlich bei dir wieder auf. Gott bewahre uns vor Krieg und davor, so bekackte Befehle ausführen zu müssen. Das ist wirklich unmenschlich und menschenunwürdig – und wird ständig praktiziert. Schlimmer als blöd. Ansonsten, auf dein Paintballeinsatz – die Gegner waren sicher ziemlich sauer auf dich, wer weiß, weilchen Ruf “die Deutschen” durch dich bekomkmen (schnell – geplant – usw…)
Liebe Grüße, freu mich, dich bald wieder zu sehen
Nele (weil inkognito – muß ja niemand wissen, wer ich bin)
Na Hallo, so isses. Schicks mal dem Herrn Bush oder so.