Das Land der Mitmenschlichkeit
So ein schöner Tag, an dem einem eine Folge kleiner Zufälle den Glauben daran stärkt, dass nicht alles grässlich sein kann in dieser Welt.
Erstes Glück: nach Kurs, Campusschwimmhalle und Mensa suche ich verzweifelt nach meinem Schlüsselbund, der immer in der Manteltasche ist, um mein Rad zu entketten. Nichts, kein Schlüssel. Bis ich am Rad bin, denn wo ist er seit etlichen Stunden? Im Schloss selbst, und zwar kaum zu übersehen da an einem großen Schlüsselbund mit etwa sechs Schlüsselns hängend…
Zweites Glück: Schauplatz Postschalter. Endlich wollte ich den Brief für Juliana mit der neuen leckeren Salzschokolade abgeben und da fehlt mir doch glatt das nötige Geld. “Na, wie viel fehlt denn?” – “Hm… ein Euro…” – und der Herr fertigt das Ganze ab, als wär nichts gewesen.
Von wegen verdorbene Welt! So lieb können Sie sein die Leute hierzulande. Ist es gar das Schäfchenhafte der neuen First Lady Frankreichs? Oder vielleicht doch eine Gegenreaktion auf eine Wirklichkeit, die man als unmenschlich empfindet in ihrem wuchernden und verheerenden Neokapitalismus? Da ist man westlich des Rheins ja schnell vor Zorn entbrannt. Ich kann nur sagen: solch ein Verhalten lob ich mir, es gibt da schließlich auch andere Verhaltensmuster auf empfundene Misstände. Ein Italienkenner meinte, er erkenne dieses Land nicht wieder, die vorher so typische italienische Leichtigkeit und Herzlichkeit sei gänzlich galliger Argwohn und Agressivität gewichen. Daran lag es wohl auch, dass ich vor etwa einem Jahr in einer römischen Postfiliale nicht etwa Großzügigkeit erfahren habe, geschweige denn eine irgendwie geartete Freundlichkeit, nein, ich wurde prompt der Filiale verwiesen, nachdem ich zu viele Fehler gemacht hatte beim Ausfüllen des Formulars und der Mitarbeiter einfach keine Lust mehr hatte, sich wegen mir Ausländerin den Kopf zu zerbrechen. Tja, Frau Bruni-Sarkozy, wären Sie mal im Land mit den Zitronenbäumchen geblieben…
Na wunderbar. Bei mir hingegen funktioniert heute gar nichts!
Erst funktioniert das Einlesen von Excelfiles in Octave nicht, dann hauts mir alle moeglichen anderen Fehler um die Ohren, als ich versuche mir so eine Funktion selber zu schnitzen. Wenn ich wuesste, woher der Fehler kommen wuerde, koennt ich ihn ja wenigstens beheben, aber er komtm ienfach von irgendwo, laesst sich nciht jedesmal reproduzieren und schon gar nicht als Minimalbeispiel zusammenschreiben.
Und fuer das, dass nichts funktioniert sitze ich stundenlang vor dem Computer und aergere mich schwarz…