Aufruf an Lichtenberger Bürger

[Weitere Artikel zu aktuellen Entwicklungen unseres Gesundheitswesens haben wir hier.]

So, hier haben wir mal wieder was zu unserem Gesundheitssystem. Diesmal haben sich Christoph Klasen und Rudolf von Waldenfels ins Zeug gelegt und einen Brief an alle Einwohner Lichtenbergs geschrieben (das war etwa am 26./27.3.2008, dass diese Mail herumging). Und man soll diese Mail doch auch bitte an ein paar wichtigere Politiker weiterleiten, damit vielleicht auch mal jemand dort merkt, dass es den Bürgern nicht so ganz egal ist, wenn ihre hausärztliche Versorgung zusammenbricht.

In diesem Fall geht es um meinen Vater, der, wie man als Lichtenberger weiß, der einzige praktizierende Hausarzt am Ort ist.
Tüchtig und fleißig, nett und freundlich, erfahren und kompetent, bei allen beliebt und respektiert, engagiert und selbstlos – und bald auch noch pleite und mittellos !

So kanns gehen wenn man Kassenarzt in Bayern ist!

[Die Anrede "Doktor Mauer" in der Mail ist strenggenommen natürlich nicht richtig, weil er keinen Doktortitel trägt - was aber vermutlich nur die wenigsten Patienten wissen / interessiert. Er ist einfach DER Arzt im Dorf.
In gewohnter Manier setzen wir mal wieder ein, zwei Links in eckigen Klammern für Hintergrundinfos zum nachlesen.]

Grüß Gott, Hallo und Guten Tag,

viele von uns sind in Zeiten aufgewachsen, in denen Ärzte “Halbgötter in Weiß” waren und auch dementsprechend verdienten. Sie fuhren die dicksten Autos, gönnten sich die teuersten Urlaube und bauten sich das größte Haus.

Es ist deshalb für uns manchmal schwer vorstellbar, dass eine gut gehende, gut geführte Arztpraxis in den Bankrott gehen könnte — aber genau das könnte in Lichtenberg bald der Fall sein.

Und nicht etwa, weil Doktor Mauer schlecht gewirtschaftet oder sich finanziell übernommen hätte.

Sondern einfach, weil die Gesundheitsreformen der letzten Jahre immer mehr von seinem Verdienst weggefressen haben, so dass er in den vergangenen Monaten schon zwei Mitarbeiterinnen entlassen musste.

Doktor Mauer ist nicht alleine — es geht vielen Ärzten so, vor allem auf dem Land. Schon können Arztstellen gar nicht mehr besetzt werden, da sich keiner mehr leisten kann, bei dem Lohn zu arbeiten.

Wir, Christoph und Rudolf, denken, dass wir Lichtenberger uns das nicht gefallen lassen sollten. Wir brauchen Doktor Mauer! Wir brauchen eine Arztpraxis hier im Ort!

Es ist uns allen klar, dass gespart werden muss. Aber doch bitte nicht so, dass die Landbevölkerung kilometerweit fahren muss, um zum nächsten Arzt zu kommen.

Wenn Du auch dieser Ansicht bist und unser Anliegen unterstützen möchtest, dann mach’ doch bitte zwei Dinge:

1. Leite diese Mail an möglichst viele Lichtenberger weiter, deren Mail-Adressen Du hast, damit alle hier im Ort erfahren, was Sache ist.

2. Kopiere Dir den Text, der sich ganz unten in der Mail befindet, setz’ Deinen Namen darunter und schicke ihn an diese Personen:

Erwin Huber erwin.huber@csu-bayern.de [Bayerischer Finanzminister (bei Wiki)]
Günther Beckstein poststelle@stk.bayern.de [Bayerischer Ministerpräsident (bei Wiki)]
Hans-Peter Friedrich hans-peter.friedrich@bundestag.de [Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (bei Wiki)]
Landrat landrat@landkreis-hof.de [Bernd Hering unser momentaner Landrat (HP)]
Otmar Bernhard poststelle@stmugv.bayern.de [Bayerischer Minister für Umwelt, Verbraucherschutz und Gesundheit (bei Wiki)]
Petra Ernstberger petra.ernstberger@bundestag.de [Bundestagsabgeordnete für den Landkreis Hof (bei Wiki)]
Ursula Schmidt ursula.schmidt@bundestag.de [Bundesgesundheitsministerin (bei Wiki)]

Euer

Christoph Klasen & Rudolf v. Waldenfels

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

ich schreibe Ihnen als Bürger/Bürgerin der Stadt Lichtenberg, einer oberfränkischen Gemeinde mit rund 1100 Einwohnern. [www.lichtenberg-oberfranken.de]

Mit Schrecken habe ich in den letzten Tagen erfahren, dass unser allseits geschätzter Arzt, Helmuth Mauer, demnächst seine Praxis vor Ort möglicherweise schließen muss. [siehe auch seinen Kommentar hierzu und seine Aufforderung an alle Kassenärzte Bayern ihre KV-Zulassung zurueckzugeben]

Und dies nicht, weil er etwa zu wenig Patienten hätte (rund 1200 Scheine im Quartal) oder finanziell aus eigener Schuld in Schieflage geraten wäre.

Sondern einfach, weil die wirtschaftlichen Konsequenzen der jüngsten Gesundheitsreformen ihn — und viele andere Landärzte — seiner Existenzgrundlage berauben.

Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, welche katastrophalen Folgen ein Schließen seiner Praxis für uns alle hier in Lichtenberg hätte, besonders da sich der nächste Arzt über vier Kilometer entfernt befindet. Eine nennenswerte Busverbindung gibt es nicht.
[Übrigens gilt das auch für die Patienten die ihn in seiner Zweigstelle in Issigau besuchen.]

Ich appelliere an Sie: setzen Sie das in Ihrer Macht Stehende dafür ein, dass die ärztliche Versorgung der Landbevölkerung durch unsere Haus- und Fachärzte weiter gewährleistet bleibt.

Es drängt sich inzwischen der Eindruck auf, dass der Politik das Schicksal der Landbevölkerung herzlich egal ist.

Mit freundlichen Grüßen,
[noch einzutragen]

So. wer das jetzt liest und nicht aus Lichtenberg kommt, darf das aber auch sehr gerne an o.g. Adressen weiterschicken!

Ein Kommentar vorhanden.

  1. Peter schreibt am 28.02.2008 00:50:

    Und weil es so gut dazu passt, hier noch ein Kommentar meines Bruders (neuntes Semester Medizin in Erlangen, würde sich theoretisch für ihn ja anbieten, die Praxis seines Vaters einmal zu übernehmen):

    Ich bin auf dem Burgfest [HP] von sehr vielen Leuten angesprochen worden, wann ich denn die Praxis übernehmen werde. Ich habe allen geantwortet, dass ich ja bescheuert sein müsste, und das auch mein Vater mir davon abrät. Das ist nicht, weil ich Lichtenberg doof finde, sondern weil es keinerlei Aussicht auf ein kalkulierbares Einkommen oberhalb des Existenzminimums gibt. Für mich ist die Arbeit im Krankenhaus wesentlich attraktiver, auch in einem MVZ kann ich gerne arbeiten. Den Patienten bringt das nur nichts. Es muss klar gemacht werden, dass die lustigen Zeiten der späten 80er vorbei sind. Damals gab es alles und sofort und umsonst (AOK steht für “Alles, Ohne Kosten”, die damalige Mentalität des Kranken). Unabhängig davon, wer nun Schuld daran hat, dass es in den letzten Jahren anders geworden ist, zugeben will es keiner, dass sich auch nur irgendwas verändert hätte. Ich spreche mit vielen Angestellten in Assistenzberufen, die täglich mit Ärzten zu tun haben. Sie haben keine Ahnung, was eigentlich abgeht.
    Wie soll nun der Normalsterbliche erfahren, welche Einschnitte auf ihn zukommen und was er tun kann?

    Gleichzeitig würde er es den Lichtenbergern Bürgern anbieten, irgendwann im März einen Vortrag zu aktuellen Entwicklungen in der Gesundheitspolitik halten.
    Na das könnte interessant werden, würde ich hingehen – wenn ich nicht so weit weg wäre.

 
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