Dr. Leuchs an Herrn Beckstein

[Weitere Artikel zu aktuellen Entwicklungen unseres Gesundheitswesens haben wir hier.]

Hier kommt nochmal ein kurzer Aufruf von Dr. Leuchs, einem Arzt aus dem mittelfränkischen Neuendettelsau an unseren bayerischen Ministerpräsident Beckstein.
Als Anhang an diese Mail waren ursprünglich noch die beiden Aufrufe meines Vaters [hier und hier] an alle bayerischen Hausärzte, ihre Kassenzulassung abzugeben angehängt.
Von mir hinzugefügte Links gibts wieder in eckigen Klammern. Der Abdruck dieses Briefes erfolgt natürlich mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Dr. med. Karl-Gerhard Leuchs

Arzt für Allgemeinmedizin
Bahnhofstraße 33
91564 Neuendettelsau
Telefon: 09874 / 68520
Telefax: 09874 / 29 42
e-mail: k-g.leuchs (at) web (dot) de

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Beckstein,

als Chef einer politischen Kanzlei könnte man meinen, werden Sie wenig Einfühlungsvermögen aufbringen können, zu begreifen, was einen Hausarzt so umtreibt, dass er auf die Barrikaden geht. Eigentlich sind die Hausärzte sonst so friedliche Menschen gewesen, die bisher alle geduldig gefressen haben, was man ihnen vorgesetzt hat. Ich schicke Ihnen ein Fax eines Kollegen und einen Brief dieses Kollegen [von Helmuth Mauer, hier und hier] mit, den ich, da ich mich mit der Situation dieses Arztes gut identifizieren kann. Wir Ärzte arbeiten, dass wir kaum mehr aus den Augen schauen können – 10, 11, 12 Stunden täglich und noch Samstags und Sonntags. Wir haben Patienten, dass wir nicht wissen, wie wir sie anständig versorgen sollen. Aber gleichzeitig müssen wir um unser Geld oder wie man so kläglich sagt Honorar zittern. Betriebswirtschaftlichkeit gibt es überall, nur nicht bei uns Ärzten! Gleichzeitig lassen wir uns von Krankenkassenbossen verhöhnen, die vor Geld nicht wissen, was sie für ein Auto kaufen sollen. Und es ist vollständig egal, ob der Spruch von der AOK-Vertretung oder einer BKK-Vertretung kommt. Wieso muß ich mir von Personen erzählen lassen, was ich verdiene? Und doch sehe ich etwas ganz anderes auf meinen Honorarbescheiden, als das, was mir von diesen Herren im Anzug vorgeschwätzt wird? Ich weiß nicht, wer das Geld veruntreut, aber Tatsache ist, wenn der Herr Schösser von der AOK [Verwaltungsrat AOK Bundesebene, vertritt die Versichertenseite, AOK: Profil] von 72,-€ redet, die er angeblich pro Patient und Quartal den Hausärzten zukommen lässt, dann kann ich mir nicht erklären, wieso bei mir nur maximal 55,-€ ankommen. Ich bin es leid, von Herren schräg angeredet zu werden in Funk und Fernsehen, die weder sich die Mühe gemacht haben, ernsthaft über die Lage der Ärzte nachzudenken, geschweige denn, dass sie sichtbar willens wären, das Problem gemeinsam anzugehen. Und wo ist Ihre Position? Wir haben in den letzten Jahren von der CSU nur Hinhalteparolen gehört – jedes Mal wurde es schlechter. Jetzt ist es einfach vorbei. Ich verspreche Ihnen, jedem Patienten, der meine hausärztliche Praxis besucht, erkläre ich, warum es für ihn nicht opportun ist mittelfristig, bei den Landtagswahlen CSU zu wählen. Denn die CSU wird keinen Patienten heilen – ich schon ! Mit Gottes Hilfe! Leider werde ich vermutlich bald wegen Praxisaufgabe aus wirtschaftlichen Gründen Patienten im Ausland behandeln müssen. Sie können sich mit Frau Sozialministerin Stewens [HP, Wiki] darüber unterhalten. Sie hat meine Praxis vor einiger Zeit zwei Stunden lang besucht. Sie reden immer wieder in den Medien von Freiberuflichkeit, die Sie wichtig finden. Entschuldigung, wo sind die Taten und die Handlungen dafür? Dem letzten Reformgesetz, das den Hausärzten jetzt den Garaus macht und vermutlich später den Fachärzten, hat die CSU im Brustton der Überzeugung zugestimmt! Hatten die Minister und Abgeordneten nicht einen Eid auf die Verfassung und die Tatsache geschworen, dass sie Schaden von dem Volk abwenden wollen? [Wiki: Amtseid] Wo sind dafür die Taten? Herr Ministerpräsident, ich bin unglaublich enttäuscht und voll Zorn. Ich erwarte mindestens, dass Sie sich darum kümmern, dass die Krankenkassen Verträge mit uns Hausärzten abschließen, die das Papier wert sind, auf dem sie stehen. Und dass sie das vermögen, davon bin ich überzeugt.

Mit freundlichem Gruß KGL

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