Bray Head Übernachtung oder Zelt III: Pferd tritt (Zelt) ein

Für alle die jetzt “Zelt II: Kuh frisst Vorzelt auf” vermissen: bei unserem zweiten Zelten hatte unser Zelt keinen Kontakt zu irgendwelchen gefährlichen Vierbeinern :-) Da waren wir nochmal auf dem Hof bei Katharina um ihren Abschied von dort zu feiern. Das war am letzten Wochenende, drei Wochen nachdem wir des erstemal dort waren. Ein etwas ruhigerer Ausflug diesmal, war auch nur eine Nacht.

Für dieses Wochenende hatten wir uns dann mal eine Übernachtung in den Wicklow Mountains vorgenommen. Zusammen mit Bianca wollten wir uns irgendwo auf der Südseite des Bray Heads niederlassen und dann früh am Morgen den Sonnenaufgang anschauen. Samstag Nachmittag machten wir uns also auf den Weg und erklommen erst mal den Bray Head (241m) von Bray aus, um das super-sonnige 26°C Wetter mit einem netten zweistündigen Spaziergang zu genießen und uns das Eis danach zu verdienen.

Dann fuhren wir in die Nachbarortschaft Greystones um uns einen geeigneten, ruhigen Zeltplatz auf der Südseite des Hügels zu suchen. Mit dem Haufen Gepäck war uns das dann lieber nicht in Bray bei NN aus loszulaufen. Schließlich haben unser Zelt dann auf einem kleinen Sattel zwischen zwei Nebengipfeln des Bray Head aufgeschlagen. Wir hatten schon gesehen, dass auf der weitläufigen Wiese auch noch fünf Pferde standen am Abend, aber wir definierten mal, dass Pferde ja sehr friedfertige Tiere sind.

Nach einem langen Abendessen lagen wir noch ein bisschen außen herum und genossen den wunderbaren Blick sowohl auf Dublin in der Ferne, als auch auf Bray und natürlich die irische See. Nebenbei wurde noch über die Bewegung der Sterne philosophiert. (Vor allem, dass sich ja die Erde unter den Sternen wegdreht und dass sie deswegen ein albernes Hühnchen sei.)

Unsere Wecker hatten wir mal so auf 4.45am gestellt. Aus dem Schlafsack quälen und auf den nächsten Gipfel steigen. Von dort aus hatten wir dann einen wunderbaren Blick auf den Sonnenaufgang über dem Meer. Die Bananenchips die ich mir mitgenommen hatte wollte aber niemand außer mir zu so früher Stunde.

Und als die Sonne so langsam über den Horizont gekommen war konnten wir auch beobachten wie unter uns Leben in die Pferdeherde gekommen war. Die Zelte hatten ihre Aufmerksamkeit erregt. Sie nähertes sich mal ein paar Meter, verharrten dann beobachtend, näherten sich wieder verstohlen. So ging das eine ganze Zeit und es war sehr witzig anzuschauen. Bis das mutigste Pferd mir dann doch etwas zu nah ans Zelt kam. Ich begann so langsam den Anstieg runterzusteigen auf dem wir standen. Als ich die Hälfte hinter mir hatte, hatte das Pferd unser Zelt erreicht und fing an … da reinzulatschen! Ich glaub mein Schwein pfeift!
Im Laufschritt runter den doofen Hügel, auf die Überreste der Mauer gesprungen und erstmal laut “He!” schreien (und was weiß ich was noch alles). Und dann sich langsam nähern und versuchen sowohl Zelt zu retten, als auch nicht selber verletzt zu werden. Hui. Mut ist eine Tugend. Aber ein Pferdekuss kann auch sehr weh tun. Und alle Pferde die ich bis jetzt immer brav und tapfer gefüttert hatte, hatten einen entscheidenden Vorteil: es trennte mich ein Zaun von ihnen! Auf der gleichen doofen Weide stehen mit einem Pferd, welches mir ins Zelt tritt – das gehört nicht zu meinen Spezialitäten. Langsam näher ran. Und bloß nicht von hinten. Schließlich steht der Lebensmüde ein paar Schritt neben Zelt und Pferd. Ohne rettenden Zaun zwischen uns. Inzwischen hatte ich immerhin gemerkt, dass das Pferd die leere Ciderdose von gestern (die irgendso ein Vollidiot auch noch neben den Zelteingang gelegt hatte) sehr ansprechend, aber ansonsten ungenießbar fand. Um dann nochmal mit dem Fuß zu probieren, ob es das Zelt nicht öffnen könne um an die darin duftenden Bananen und Äpfel zu kommen. Verdammt.
Bananenchips. Hosentasche. Halleluja!
Bananenchip in Hand, Pferd geht einen Schritt von Zelt weg: super. Auf mich zu: Scheiße. Bananenchip auf Boden, Pferd sucht: super. Pferd findets nicht: Doppelscheiße. Zweites und drittes Chip auch nicht. Ok, dann aus der flachen Hand. Petermodus von “Generell großen Respekt und Angst um sämtliche Knochen” auf “Großen Respekt und akute Angst um Finger der rechten Hand” umgestellt. Das Tier hat ein Gebiss fast so groß wie mein ganzer Kopf. Und was viel schlimmer ist: es sieht nicht wo es das hinstreckt und was es wann beißt – es spürt es nur!
Zum Glück spürt es auch das Bananenchip und meine Finger retten sich schnell genug aus der Nähe der wurstdicken essensuchenden Lippen.
Das ganze Spiel funktioniert eine Hand voll Bananenchips und 5 kostbare Meter Zeltentfernung lang. Da hatte ich das Gefühl ich hab ihn gleich wieder los und hab ihm paarmal nett die Nase gestreichelt.
Tja, bloß dann das Tier davon überzeugen, dass es jetzt nix mehr gibt…
Also kehrt es zum Zelt zurück und latscht nochmal an die Außenwand. He! Bananenchips. Und weg vom Zelt du Ungeheuer!
Versuchen es diesmal Richtung der anderen Pferde.
Lara war die ganze Zeit – mit respektvollem Abstand und doppelt so viel Schiss wie ich – deneben gestanden. Als wir aber den Gaul ein paar Meter begleiten, zeigt sie ihm ihren Rücken während sie halb vor ihm läuft. Worauf der Gaul beschließt, da sollte man mal kurz probieren wie ihre Schulter schmeckt. Panischer Schrei von rechts. Endgültig Schluss mit lustig. Bananenchips! Modus “Ungeheuren Respekt und reichlich Schiss” wird beibehalten.
Schließlich scheint das Weglocken aber doch zu funktionieren und der Hengst scheint es wieder anregend zu finden zu seinen Kollegen zu gehen.
Puls 180. Lara vermutlich 240.

Eigentlich wollten wir uns ja jetzt nochmal ins Zelt legen und ausschlafen – ist uns aber vergangen. Bianca rufen (die hatte sich das Treiben da unten munter von ihrem Hügel aus angesehen – obwohl sie die einzige war, die sich mit Pferden auskennt) und dann asap Zelte abreißen und alles einpacken. Mein Schiss war immerhin fast wieder weg als wir das erste Zelt abgebaut hatten, bei Lara dauerte das noch bis wir mit vollem Gepäck eine Viertelstunde später runter von der Wiese waren.

Im Dorf unten haben wir uns dann erstmal an den Strand gelegt, Zelte und Schlafsäcke ausgebreitet und noch ne Runde in aller Ruhe geschlafen :-)
(Eiskaltes Meerwasser wird leider nicht wärmer wenn man morgens um 7 nackt hineinspringt musste ich nebenbei noch feststellen.)

Später kamen mit dem ersten Zug noch Maria, Ingmar und Daniel aus Dublin zum Strandbrunchen vorbei. Und auf Mittag zu machten wir uns dann auf, den 342m hohen Little Sugar Loaf zu erklimmen. (Den 501m hohen Great Sugar Loaf heben wir uns für ein andermal auf.) An einem der heißesten Tage in Irland muss man sich ja auch vornehmen, einen Hügel ohne Schatten zu erklimmen.
Trotz Sonnenschutzfaktor 30 gibt es am Abend zurück in Dublin dann doch einige Sonnenbrände zu bewundern. Viele Leute in der Straße sehen aber deutlich schlimmer aus. (Man würde meinen die würden die Sonnencreme hier bei der Hand haben sobald es doch mal heiß ist, aber dem scheint nicht so zu sein.)

So, dies war also das Wochenende mit der zweiten Begegnung Zelt-Tier. Möchte gar nicht wissen, wann ich das nächste mal über dieses Thema schreiben muss :-/

2 Kommentare vorhanden.

  1. Lara schreibt am 02.06.2009 11:59:

    Ich muss doch an dieser Stelle mal meine Ehre verteidigen und gewisse Tatsachen richtigstellen.

    Bis ich zum Peter-Pferd-Zelt-Meeting runtergehupft war, hat Peter sich nur getraut, die Bananenchips vor die Hufe des Gauls zu legen. Bis ich dann voller Zuversicht meinte: ach, die sind brav, die kann man locker aus der Hand füttern. Dieses führte ich dann Mr. Pferdeflüsterer vor und dann erst, nach meinem heldenhaften Beispiel, hat er sich´s auch getraut. So. Ich war also ziemlich cool.

    Nur dann, als ich (halbschräg und nicht mit dem Rücken zum Pferd) einen kräftigen Liebesbeweis von dem jungen Hengst bekam, wurde es mir doch etwas anders. Aber von Schreien keine Rede! Die Folgen auf Pferd und Peter wären schließlich unkalkulierbar gewesen.

    So. Und dass nachher mein Puls so hoch war, lag einzig und allein daran, dass Mr. Peters Ruhepuls halb so hoch ist wie meiner. Kein Kunststück also!

    Naja, jedenfalls bin ich schon froh, jetzt heil und ganz hier schreiben zu dürfen ;)

  2. Peter schreibt am 09.06.2009 21:14:

    Wollen wir mal grad noch erwähnen, dass Maria als sie zur Nacht mal für kleine Camperinnen musste den tapferen Mann aufgeweckt hat, dass er zuerst seinen Kopf aus dem Zelt steckt um mit eventuell dort sitzenden Ungeheuern zu kämpfen und um ihr danach ein Lichtlein zu halten, auf dass sie kein Pferd in den Allerwertesten beiße. Hihihi :-)

 
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