Frechheiten ohne Gleichen

Da stöbert man mal wieder so durch die Wikipedia und denkt nichts Böses, da kommen einem ein paar Artikel unter bei denen einem die Hutschnur hochgeht. Ich bin auf 180 und wer mich kennt, der weiß, dass das selten ist.

Nichtsahnend kommt der Peter von Bordeauxrot über Berliner Blau zur Holocaustleugnung. Man streift noch mal kurz über den allgemeinen Geschichtsrevisionismus der ja schon oftmals ganz schön frech ist und die bescheuertsten Thesen zu bieten hat. (Die Eiserne Jungfrau ist da noch das einzige witzige Beispiel – kann mich daran erinnern die bei meinem ersten Besuch etwa 1992 in Rothenburg noch gesehen und ganz schrecklich gefunden zu haben. Weiter gehts dann mit sowas wie der Präventivkriegsthese.)
Man schließt kopfschüttelnd ein paar Tabs und kommt wieder zum Artikel der Holocaustleugnung. Unglaublich! Was sich manche solche A****l***er da ausdenken in ihren kranken Hirnen! Wie kann jemals ein Mensch, der mit einem Gehirn gesegnet wurde, das aus mehr als Wackelpudding besteht, so einen hahnebüchenden, brechreizerregenden, diskriminierenden, würdelosen, leugnerischen Scheissdreck verzapfen?

*Mir gehn die Worte aus…* Ich kann echt nur bis zur Hälfte solcher Artikel lesen sonst werd ich wahnsinnig.

Für den Fall, dass es Leben nach dem Tod gibt, wünsche ich diesen ********, dass sie in Dantes Judecca landen. (Und falls alles nur das Werk des fliegenden Spaghettimonsters ist, dann wäre es mir am liebsten, wenn solche Leute nie wieder Spaghetti oder irgendetwas anderes leckeres essen dürften! Und für alle anderen dient dieser letzte Link hoffentlich dazu wieder halbwegs runterkommen zu können…)

6 Kommentare vorhanden.

  1. Philipp schreibt am 11.07.2009 21:29:

    Das Problem ist, wenn Menschen anfangen, ihre eigenen Vorstellungen von der Realität als Realität auszugeben…
    Ein sehr postmodernes Problem. Wenn Wahrheit plötzlich flexibel und Verhandelbar ist, und jemand, der sich für eine Wahrheit und Tatsache einsetzt als Intollerant bezeichnet wird, dann können eben auch solche Sachen passieren wie die Leugnung eines Hollocaust… Genau das gleiche Problem haben wir in der Gemeinde… es reicht aber nicht, wenn man den Glauben als eine individuelle Wahrheit für einen anderen akzetiert, ohne zu bedenken, dass es möglicherweiße eine Wahrheit gibt, die außerhalb des einzelnen Individuums für alle gültig ist… Manchmal ist es schon ätzend, in der Postmoderne zu leben. In diesem Sinne: gute Nacht! :o)

  2. Lara schreibt am 12.07.2009 19:06:

    Vielleicht gibt es allgemein gültige Prinzipien. Aber eine einzige Wahrheit? Wie soll die denn aussehen? Wozu diese Überzeugung schon geführt hat, dass es eine für alle und alles geltende Wahrheit gibt, das weiß man. Denn wer definiert eine solche Wahrheit? Ich rieche in Deinem Kommentar einen gewissen Aufklärungs-Skeptizismus, nach dem die Errungenschaften des “Ausgangs aus der Unmündigkeit” des Menschen nichts als ein supermarktähnliches Überangebot an Ansichten, Überzeugungen und sogenannten Wahrheiten ist. Schade, wer es so sieht. Wenn man davon ausgehen will, dass von der Aufklärung zur Postmoderne eine kausale Linie zu ziehen ist, dann würde ich schon für eine optimistischere Sichtweise eintreten. Es ist nämlich bei Weitem nicht so, dass es in der Postmoderne auf einmal eine Explosion der Wahrheiten gibt. Eine Vielzahl an Ansichten gab es nämlich vorher schon. Man braucht sich nur mal überlegen, wie viele selbsternannte Propheten schon zur vor- und frühchristlichen Zeit unterwegs waren. Und zeichnet einen Propheten nicht aus, eine bestimmte Wahrheit für sich zu beanspruchen? Wenn man die Abfolge der religiösen Ausformungen liest, die an Antonius Abbas (geschildert in La tentation de Saint Antoine von Flaubert) vorbeizieht, da wird einem nur schwindlig. Das war im 3./4. Jahrhundert. Wie schön, dass es im Mittelalter viel geordneter zuging. Da war alles klar geregelt, wo oben und unten ist, wer Chef ist und wie man sich ihm gegenüber zu verhalten hat. Im weltlichen sowie im geistigen Bereich.
    Und dann kam die Aufklärung. Und die modernen Medien. Sodass uns heute vielleicht einfach bewusster wird, was es noch so gibt an Überzeugungen. Manche erschreckt die Vielfalt, weil sie sich im orientierungs- und identitätsmäßigen Freifall fühlen. Kann schon verwirrend sein, wenn man einsehen muss, dass es doch nicht nur eine Wahrheit gibt, sondern viele. So verwirrend, dass man sich umso inbrünstiger die gute alte Zeit zurück wünscht, wo alles so schön einfach zu erklären war.
    Jetzt bin ich abgeschweift. Worauf ich eigentlich hinauswollte: es GIBT nicht mehr oder weniger Wahrheiten als zuvor. Es gibt nur – in unseren Kreisen – keine nicht säkuläre Authorität mehr, die diese oder jene Wahrheit mit Gewalt und/oder Sanktionsandrohung durchsetzt. Jeder Einzelne ist frei, zu entscheiden. Und dafür ist der Mensch einfach nicht bereit. Vielfalt anzunehmen, eine hohe Frustrationstoleranz für Unterschiede haben, und gleichzeitig selbstverantwortlich und vernünftig für sich selbst zu entscheiden. Eine Wahrheit schließt eine andere nicht unbedingt aus. Und wenn wir heute frei über Holocaust-Leugner und andere gefährliche Verirrte reden können, anstatt ihnen ausgeliefert zu sein, dann ist das doch ein gutes Zeichen.

  3. Cristobal schreibt am 12.07.2009 22:46:

    Ambiguitätsintoleranz fällt mir da noch ein.

    Ansonsten stimme ich Lara uneingeschränkt zu in dieser formidablen Formulierung des Post-Modernen Positionsproblems. Fast, denn es gibt inzwischen doch mehr Wahrheiten. Weil sie da sind. Damit schlage ich in Deine Kerbe, ziehe jedoch sicher eine andere Schlussfolgerung.

    Is it solipsistic in here – or is it just me?

    Gute Nacht,
    Christoph

  4. Philipp schreibt am 13.07.2009 20:30:

    Mir geht es nicht darum, das ich mir die gute alte Zeit herbeisehne. Die Meinungsvielfallt und so weiter ist auch sicherlich gut.
    Problematisch wird es für mich nur, wenn etwas, was wirklich eine feststehende Wahrheit ist, nichtmehr als solche akzeptiert wird. ich finde, es wiederspricht dem Konzept der Wahrheit, wenn man sie subjektiviert. sicherlich gibt es Dinge, die der einzelne für sich so oder so sehen kann, darüber hinaus gibt es aber meiner Meinung nach Dinge, die für alle Menschen gelten. damit meine ich nicht nur religiöses, sondern eben Tatsachen, die einfach Tatsachen sind… Gras ist grün, Wasser ist Nass… das ist einfach so. da braucht man auch nicht philosophisch dran rummachen. Natürlich kommen wir in einen Konflikt bei der Frage, wer denn nun bestimmt, was allgemein gültig ist, und was nicht… Da werden wir aber an dieser Stelle hier nicht weiter kommen. Das Axiom ist eben ein anderes. Weil sowohl die eine als auch die andere Theorie in sich geschlossen ist. Der Punkt ist: meiner Meinung nach lässt sich Gott eben nicht einfach dadurch abschaffen, dass man ihn für nicht existent erklärt. das ist ihm genauso egal, wie mir es egal wäre, wenn du behauptes, ich würde nicht existieren. dadurch verändert sich die realität meiner Existenz nicht…

  5. Lara schreibt am 14.07.2009 13:53:

    “Grün” und “nass” sind nichts als subjektive Empfindungen. Ein bestimmter mechanischer Reiz. Den wir Menschen meist durch Konstruktionsgemeinsamkeiten untereinander als gleich oder zumindest ähnlich empfinden. Ich bin sicher, andere Wesen wie zum Beispiel eine Fliege, ein Walhai oder eine Fledermaus könnten uns ganz andere “feststehende Tatsachen” erzählen. Das hat nichts mit Philosophie zu tun.
    Ob Gott oder andere Erscheinungen existieren oder nicht, diese Frage wollte ich gar nicht aufwerfen. Denn so wenig, wie ihn/sie/es interessiert, dass ich nicht an seine Existenz glaube, genauso wenig interessiert ihn/sie/es, ob ich daran glaube. Tsss! Wie ignorant…

  6. Bente schreibt am 16.07.2009 17:01:

    Najaaah, das hat ja nun schon was mit Philosophie zu tun. Und eben diese ist nicht unbedingt jedem zugänglich. Also unabhängig davon, was eine “feststehende Tatsache” nun eigentlich sein soll, wird es ja dann problematisch, wenn diese “feststehende Tatsache” dergestalt ausgelegt wird, dass Menschen, die aus bestimmten kulturell und intellektuell begründeten Ursachen heraus ihr manichäistisches Weltbild zwischen den beiden Polen “wahr” und “falsch” aufhängen, durch diese Auslegung manipuliert werden können. Jede Interpretation folgt dabei einem Zweck, der mehr oder weniger auslegungsbedürftig ist, da er sich mehr oder weniger mit ebendiesem manichäistischen Weltbild deckt. Die Tatsache, dass Peters Beitrag sowie unsere Kommentare existieren, zeigt ja zumindest, dass wir nicht nur Zugriff auf das einfachste Weltbild haben. Ob es das System dabei interessiert oder nicht, dass wir daran glauben oder nicht, ist ja eigentlich nicht die Frage, so wie ich das sehe. Die Frage ist ja eher, für welches System wir uns aus welchen Gründen entscheiden und ob wir unseren Mitmenschen schaden oder nützen wollen. Dazwischen gibt es meiner Meinung nach nichts und die Frage zu transzendieren ist, denke ich, Augenwischerei.

 
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