Ein Gedanke zu Klingeltönen
Werden die Klingeltöne unserer Kommunikationstamagotchis eigentlich immer angenehmer, damit man es besser genießen kann, ihnen zuzuhören und so die Gewissensbisse übertönt werden, wenn man nicht rangeht?
Das lustvolle Vernachlässigen von Pflichten…
Pflichten? Wieso Pflichten? Fühlst du dich verpflichtet, nur weil dich jemand sprechen möchte? Wofür gibt es denn Mailboxes und Anrufbeantworter und Ausschaltknöpfe? Die polyphone Diktatur des Taschenfernsprechers? Muss das sein? Ich bin dagegen. Mein Handy ist sowieso ein ganz schüchternes. Es ist wohl so ziemlich das billigste, das zur Zeit auf dem Markt ist. Ohne Kamera, ohne MP3-Player, ohne alles. Da schämt es sich wohl. Und klingelt deshalb ganz verschämt leise und unaufdringlich: Bimmbimmbimm…halloooh…bimmbimm…ichtraumichnich…bimmelimm… Da kann das schon mal passieren, dass ich es gar nicht höre.
Ich kenne ganz viele Leute, die sich der Taschenfernsprecherdiktatur fleißig und brav unterwerfen. Diese Leute rennen dann auch schon mal vom dritten Stock ins Erdgeschoss runter, weil das Telefon klingelt, und brechen sich irgendwo zwischen Bad und Hausflur das Bein. Oder noch schlimmer: Jemand klingelt an der Tür! Da hat man sich schon das Bein gebrochen, wegen des Telefons, und dann stranguliert man sich versehentlich mit dem Pullover, den man beim zur-Tür-robben schnell überstreifen wollte… Das muss doch nicht sein. Deswegen freue ich mich immer sehr, wenn jemand an mich denkt. Und dass meine Mailbox sich gern um ihn kümmert.
Also ich bin ja auch mehr für Emails, die kann ich wenigstens lesen wenn ich will :-)
Anrufen tut mich eh nie jemand, aber wenn, dann ist mein Handy eh meist nur auf vibrieren (ich bin schon etwas fortgelaufener als Bente und hab nämlich nur das drittälteste Model auf dem Markt) und sehr oft überhöre ich das dann auch. Naja. Wenns wichtig ist sollen sie ne Mail schreiben.
Ignorante!
“Wer was von mir will, der rennt mir schon hinterher”, was?
Tss!
Ich freue mich auch immer, wenn man mich bedenkt und sehe das nicht als Belästigung. Außer, revenue oder eine gewisse Agentur ruft an, für die zu arbeiten ich überhaupt keine Zeit habe. Da ist es doch mal wohltuend, diese Freiheit, nicht rangehen zu müssen.
Ääääh… Moment mal, Larita. Ich mag mich täuschen, aber gingen wir nicht davon aus, dass du ein schlechtes Gewissen hast, wenn du nicht an dein Handy gehst und jetzt sagst du, nicht rangehen zu müssen sei eine wohltuende Freiheit? Da komm ich jetz nicht mehr mit; irgendwas hab ich da nicht mitbekommen.
Im Übrigen spreche ich dem Taschenfernsprecher seinen Wert in der fernmündlichen Kommunikation nicht ab, ich hab nur nicht immer Zeit oder / und Lust, abzuheben. Ich finde das eigentlich eher ignorant, wenn Leute es dann nicht noch einmal versuchen können – man hat ja sein Mobiltelefon, weil man eben nicht immer zu Hause ist. Und da ist man dann eben auch mal verhindert. Dann muss es der andere eben noch mal versuchen. Oder eine Mail schreiben. Eben. Mach ich umgekehrt ja auch.
Zur Klärung des anscheinenden Widerspruchs bedenke das kleine Wörtchen “außer”. ;)
Ansonsten finde ich doch, dass die Bringpflicht derjenige hat, der einen gescheiterten Kommunikationsversuch auf seinem Apparätchen sieht. Aber vielleicht ist das auch nur eine Art, wie sich mein kleines, doch äußerst durchsetzungsfähiges Neugiertier rausredet…