Cornflakes gegen Selbstbefriedigung?
An kürzlich erwähntem Mittagessen kam noch eine Theorie auf. Und zwar, dass Cornflakes erfunden wurden um Leute von der Selbstbefriedigung abzuhalten.
Die Argumentation verlief ungefähr so: wenn man ein leckereres Frühstück hat, auf das man sich freuen kann wenn man aufgestanden ist, ist man weniger verleitet liegenzubleiben und an sich selbst herumzuspielen. Und das wäre die Intention des Erfinders Herrn Kellogg gewesen.
Aha.
Na, zumindest mal wieder ein interessanter Rechercheansatz ;-)
Also auf den ersten Blick scheinen da ja viele Leute von einem Zusammenhang überzeugt zu sein. Bei näherer Betrachtung sind das aber entweder Foren- oder Blogeinträge von Leuten die genausoviel gehört haben wie ich, aber nicht googeln können. Naja.
Das einzig Sinnvolle und Objektive gibt uns ein englischer Artikel über Sitten und Moral, Glaube und Ernährung gegen Ende des 19. Jhdts. hier und die Wikipedia über John H. Kellogg.
Da kann man dann lesen, dass der Kellogg zu den Sieben-Tags-Adventisten gehörte, die von grundauf etwas keusch lebten und Masturbation gar nicht gut fanden. Und John lebte anscheinend vollständig keusch (er war 40 Jahre lang verheiratet und hat diese Ehe nie vollzogen) und fand onanieren sei gar ganz und gar widerlich.
Dafür leitete der Arzt John Kellogg ein Sanatorium und erfand mit seinem Bruder Will irgendwann zufällig die Cornflakes als sie nach essbaren gesunden Sachen suchten (weil ihr Sanatorium auch fand, dass Fleisch, Tabak, Alkohol und sogar Gewürze böse wären). Und als sie dann eine gut essbare Variante von Getreide erfunden hatten rissen es ihnen die Kurgäste nur so aus den Händen. Richtig berühmt wurde es aber erst, als sein Bruder Will Zucker zu dem Zeug hinzufügte, was John aber nicht so toll fand und sie zerstritten sich wohl.
Alles schön und gut.
Also die Cornflakes wurden aus Zufall erfunden aber dann wohl auch u.a. so vermarktet (wie alle gesunde Rohkost in bestimmten Kreisen), dass sie die fleischlichen Genüsse eindämmen. Daher wohl die Mähr, dass sie gegen Masturbation erfunden wurden.
So, was uns jetzt noch interessiert: warum konnte dieser John H. Kellogg so militant gegen Selbstbefriedigung eintreten und anscheinend vollkommen keusch leben? Nur durch die verhütende Kraft der Vollkornernährung???
Nein, wir lesen weiter: unser lieber Herr Kellogg lies sich jeden Morgen nach seinem gesunden Vollkornfrühstück einen Einlauf verpassen. Aha. Fein. Mit Joghurt. Und irgendwelche Psychologen meinen deshalb, er hätte eine Abweichung sexuellen Verhaltens gezeigt, bei dem der Einlauf den Geschlechtsverkehr ersetzt.
Ah. Gut. Hat selber keine normalen sexuellen Gelüste und meint deshalb auch, dass die ganze Welt nicht onanieren sollte und ergo verbietet er den kleinen Jungs auch an ihrem Pillematz herumzuspielen – aber er selbst lässt sich jeden Morgen einen Einlauf verpassen.
Sehr lustig das alles.
Hält mich aber jetzt trotzdem nicht davon ab auch in Zukunft noch Cornflakes zu Essen. Schließlich können die Cornflakes auch nix dafür.
Wohl bekomms.
Essen? und ich dachte immer, die Schachtel mit dem roten Hahn drauf ist ein Puzzle! hab mich schon gewundert, das ich es nicht zusammengepuzzelt bekommen habe!
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von stoph, DejaVu erwähnt. DejaVu sagte: Der John H. Kellog (#Kellogs) war ein sonderbarer Typ… http://www.pelastop.de/2010/01/17/cornflakesurbation/ [...]
Dazu gab’s übrigens mal nen Film:
http://www.youtube.com/watch?v=W2EsNXwnOkY
Nach einem Buch von, wer hätt’s gedacht: Thomas Coraghessan Boyle (und jetzt weiß ich auch, warum der immer T.C. Boyle abgekürzt wird…).
@Philipp: und andersrum auch – in den Tüten mit dem kleinen Häschen drauf kann einen Kinderüberraschung sein.
@Christoph: das war ja wiedermal klar wer von der Leserschaft so einen Unsinn kennt ;-)
Na da hättest du halt ein wenig gründlicher recherchieren müssen.
http://litcolony.de/wohnzimmer/kolumne/364
und im Zweifel mal direkt lesen:
http://ia331421.us.archive.org/3/items/plainfactsforold00kell/plainfactsforold00kell_bw.pdf
Grüße
Tom
@ Tom:
Danke für die Originalquelle!!! Das ist ja klasse! Liest sich ganz gut so die ersten Seite zum Thema (S. 267ff):
“It’ is the most dangerous of all sexual abuses because the most extensively practiced.” Hört, hört.
“The vice consists in an excitement of the genital organs produced otherwise than in the natural way.”
Der Darmausgang gehört übrigens auch gar nicht zu den erogenen Zonen und deshalb fällt ein täglicher morgendlicher Einlauf auch ganzundgargarnichtüberhauptgarundgänzlichgarkeinesfalls in den Bereich >excitement other than the natural way< .
Sollte eigentlich jeder zuhause genießen.
Gleich nach dem Frühstück.
Mit Joghurt. Nach persönlichen Vorlieben natürlich ersteres oder letzteres...
"... almost no bounds to its indulgence. Its frequent repetition...
... with a fascination almost irresistible. ... may continue through life." Haben wir vielleicht schon mal davon gehört.
Ich werds mir in einer ruhigen Stunde nochmal ernsthaft durchlesen. (Kann man bei sowas ernsthaft bleiben?)
p272: man lernt Masturbieren vor allem in der Schule.
Aha. Muss zugeben, gerade dort ist mir das nicht begegnet. Aber vielleicht waren die damaligen Sieben-Tags-Adventisten-Klosterschulen da anders...
"Teachers and scholars testify that it is often
practiced even in school hours ..." Madness!
"... in the sleeping apartments, where more than one occupy the same bed, or where several sleep in the same room." Igitt! >>Jo mei, hörns mal bitte gefälligst auf mit der Ruhestörung da im Bett unter mir, Mitschüler Schulze! Und vor allem net wieder auf den Fußboden sonst latsch ich da nachts wieder rein.<<
Und wie geil: er empfielt Einzelzimmer um den schlechten Einfluss zu verringern. Ich dachte immer genau das wäre der beste Grund DAFÜR und nicht DAGEGEN. Hab ich wohl was falsch verstanden bis jetzt.
Aber ich hab ja auch noch keinen Doktortitel. Vielleicht kommt das dann die Einsicht.
p273f: Krankenschwestern die Kleinkindern an die Genitalien greifen um sie zu beruhigen. Na sowas geht heute doch wohl nicht mal mehr wenn man Privatpatient ist!
p279: “Candies, spices, cinnamon, cloves, peppermint,
and all strong essences powerfully excite the genital
organs” Naja, vielleicht wenn man sie direkt aufträgt. Aber wenn man sie isst???
Gefolgt von 39 sichtbaren Anzeichen von Masturbationsungeheuern (von p281 bis 292). Muss ich beizeiten mal gucken wieviele da auf mich zu treffen…
Ob ich überhaupt Bekannte habe ohne Anzeichen?
In Zukunft werde ich JEDEN und JEDE verdächtigen!
Auch und vor allem euch Leser hier!!!
Warum seid ihr denn so interessiert am Thema und lest bis hier unten??? Gibt es da wohl mehr als nur wissenschafliches Interesse?
Ha, jetzt hab ich euch dran!!!
Und morgen erzähl ichs jedem! (Eure IP ist längst gespeichert und wie lange ihr auf dieser Seite wart weiß Google Analytics auch.)
Und ich petze es der AOK und eurer Rentenversicherung und dann werdet ihr raufgestuft im Beitrag.
Und ich erzähle es euren Lehrern und der Krankenschwester die euch den morgendlichen Einlauf gibt und einem Priester eurer Wahl und euren Eltern und Onkel Dittmeier und Kristina Köhler!
Und dann guckt ihr alle noch dööfer aus der Wäsche als ihr das nach getanem widerwärtigem Werk eh schon macht. Pah. So geht das dann!
Das würde also heißen, dass ich Cornflakes esse, weil ich mich sexuell unausgelassen fühle?
Irgendwie komischer theoretischer Ansatz…
@ Trend Blog:
Also ich glaube mal nicht, dass du so einfach einen Umkehrschluss ziehen solltest aus einer (aufgrund mangelnder Beweise etwas fragwürdigen, 100 jahre alten) Theorie.
Vor allem wäre das nicht mal ein Umkehrschluss, sondern ein angenommener kausaler Zusammenhang, wo es keinen gibt. (Kannst dich ja mal einlesen.)
Genauso wenig, wie die Milch sauer wird, weil es donnert.
Das hängt nämlich von einem dir vielleicht nicht bewussten dritten Faktor ab. Wie bei Kellogg: der dritte Faktor ist, dass er züchtig lebt. Daraus ergeben sich dann automatisch die beiden Faktoren, dass er nicht masturbiert (und allgemein ein sehr geringes sexuelles Interesse zeigt) und Hafergrütze ohne Zucker isst.
Was überhaupt und gar gar nicht geht ist, von beliebigen Faktoren auf beliebige andere zu schließen (und den kausalen Faktor zu ignorieren). Und umgekehrt erst recht nicht.
Also: nicht jeder der Hafergrütze isst, muss ein geringes sexuelles Interesse haben. Nicht jeder, dem Masturbieren nichts gibt muss auch Cornflakes ohne Zucker essen. Und erst recht nicht verschachtelte Umkehrschlüsse: jeder der sexuell nicht ausgeglichen ist macht das mit Cornflakes wett.
Aber es hindert dich keiner daran, dass im Selbstversuch auszuprobieren! ;-) Und es kann dir natürlich im Einzelfall auch helfen (wenn das deine Intention ist). Ich würde abschließend als gut gemeinten Arztsohnstipp geben: probiers aus (mache ein paar Annahmen, entwerfe einen Versuchsplan, dokumentiere alle auftretenden Faktoren und deine Ergebnisse und poste sie hier wieder nach 4 Wochen oder so).
Das wird lustig ;-)