Israelische Teilnehmer von Madrid Pride ausgeschlossen
Bin ich die Einzige, die sich wundert, was hier gerade passiert? Letzte Woche wurden in Dublin Flyer zum Boykott israelischer Produkte verteilt (was nährt politische Spannungen und Terrorismus? Genau, wirtschaftliche Unzufriedenheit). Jetzt schließt eine Organisation, die sich geistige Offenheit und Antidiskriminierung auf die bunten Banner schreibt, alle Teilnehmer aus Isreal von der Christopher-Street-Day-Parade in Madrid aus. Was soll das? Haben wir nicht gelernt, dass die Politik einer Regierung und die Meinung der Menschen eines Landes verschiedene Dinge sind? Haben wir nicht gelernt, zu differenzieren? Hört vielleicht noch jemand zu, was die Israelis selbst zum Angriff auf den Hilfskonvoi zu sagen haben? Wer käme auch nur auf den Gedanken, dass ausgerechnet die Queer Community Tel Avivs Fürsprecher der Bulldoggen in der Regierung sind? Warum sollen ausgerechnet sie bestraft werden, wo es doch eine so gute Gelegenheit wäre, ein Zeichen für wirklichen Friedenswillen zu setzen, indem man sie an der Pride teilnehmen lässt!
Dass ich Scheiße finde, was sich Netanjahu & Co. so leisten, muss ich überhaupt nicht sagen. Aber wo ist hier der gesunde Menschenverstand, der sich kritische Fragen stellt? Der sich zum Beispiel daran erinnert, dass es zu einem Konflikt immer zwei braucht. Der zumindest einen Gedanken an die Tatsache “verschwendet”, dass sich tatsächlich ziemlich aggressive Sympathisanten der Hamas auf dem Boot befanden. Das zu bedenken bedeutet nicht, Israels Regierung nachzuplappern.
Natürlich haben wir immer das Bedürfnis, eine klare Linie zu ziehen, wer “der Gute” und wer “der Böse” ist. Aber vielleicht sollten wir uns bemühen, den alten Schablonen gegenüber kritisch zu BLEIBEN. Solidarität auf jeden Fall, aber nicht verbunden mit althergebrachten Einheiten wie pro-Weiß = Palästina oder anti-Schwarz = Israel, sondern pro-Menschlichkeit, geistige Offenheit, Frieden usw. Mein Gott, wie schwer ist das denn? Nichts als das gleiche Blabla, das jeder von uns schon tausend Mal gelesen oder gehört hat!
Lasst eure gesunden Zweifel nicht im lauten Geschrei untergehen!
Ich hoffe, die Organisatoren der irischen Pride kommen nicht auch auf den Gedanken, israelische Teilnehmer auszuschließen…
Zum Weiterlesen:
http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2010/06/15/gay-pride-madrid-ladt-israelische-teilnehmer-aus_3639
http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/maertyrer-an-bord/
http://www.lizaswelt.net/2010/06/im-dialog-mit-pax-christi.html
Letzte Woche war ich im Tesco von Anti-Israel-Demonstranten gefangen. Ich war grad fertig, da standen außen 20 Leute mit Transparenten und die Dame mit den eingängigen Slogans und dem Megafon stand so direkt vor meinem Fahrrad, dass ich es vorzog noch ein bisschen im Laden zu bleiben.
Andererseits hätte ich eigentlich raus gehen und sagen sollen: “he, könnt ihr mal einen Schritt zur Seite gehen, ich bräuchte mal mein Fahrrad. Und wenn euch die israelische Politik nicht passt, könnt ihr denen nicht einen Brief schreiben, sondern müsst die Kartoffeln aus den Supermarktregalen nehmen? Das wird sie bestimmt hart treffen…”