WM-Nachhall oder Warum ich eine Vuvuzela brauche

Egal was ihr denkt, ich habe noch einen Grund mehr, aus dem es schade ist, dass die deutsche Nationalmannschaft das WM-Finale nicht erreicht hat. Das ist nämlich so:

Ich finde Vuvuzelas total toll. Das gebe ich unumwunden zu. Der Ton klingt ein bisschen trötig, aber durchaus rund und seit ich auf der Homepage der ZEIT ein Video gesehen habe, in dem drei Orchestermusiker in Anzug und Fliege bekannte klassische Musikstücke auf der Vuvuzela nachtröteten, habe ich dieses Instrument ins Herz geschlossen.

Was jetzt genau die Vuvuzela an sich mit der deutschen Nationalmannschaft zu tun hat? Ganz einfach: In Belgien kann ich mir keine Vuvuzela kaufen. Die belgische Nationalmannschaft hat sich nicht qualifiziert und dementsprechend wenig bekommt man hierzulande im Allgemeinen von der WM mit. Lediglich auf dem Wochenmarkt habe ich Vuvuzelas gesehen, aber nur in irgendwelchen komischen Nationalfarben und ich will ja keine National-Vuvuzela in den Farben irgendwelcher Länder, in denen ich noch nie war.

Wenn Deutschland aber ins Finale gekommen wäre, wäre ich am Sonntag nach Aachen gefahren zum Public Viewing. Dort wären sicherlich Vuvuzelas verkauft worden. Die wären dann zwar schwarz-rot-gelb (“gold” wäre echt übertrieben), aber immerhin. Und vielleicht hätte ich auch eine gefunden in “neutralem” Pink oder so. Nun ist Deutschland aber nicht im WM-Finale, ich werde am Sonntag nicht nach Aachen fahren und ich werde vielleicht nie in meinem Leben eine Vuvuzela mein Eigen nennen – und das finde ich traurig.

Zumal im Moment mein ganzes Haus denkt, es wäre musikalisch. Die Nachbarin über mir malträtiert schon seit geraumer Zeit zwei Stunden am Tag eine Violine und damit gleichzeitig die Nerven aller anwesenden Einwohner. Mittlerweile bemerkt man zwar kleine Fortschritte, aber die bemerkt man ausschließlich, wenn man Zeuge der früheren, noch grausameren Quietschereien wurde. Es ist und bleibt eine Tortur, während ihrer täglichen zweistündigen Trommelfellsektion unter ihr zu wohnen.

Aber es geht noch doller: Neuerdings denkt auch noch eine andere Nachbarin, sie hätte eine wunderschöne Sopranstimme. Leider ist sie allerhöchstens ein Alt. Schon die Aufwärm-Übungen hören sich deshalb an, als würde gerade vor dem Haus eine Katze überfahren und wenn sie dann tatsächlich singt, erinnert sie mich sehr an das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Da gibt es nämlich einen Bauern, der hat früher, als ich klein war, seine Schweine noch selbst geschlachtet.

Das mag sich jetzt gemein anhören, aber versetzt euch mal in meine Lage: Ich versuche, zwischen den beiden Damen zu wohnen. Und man muss schon zugeben, dass ich mit einer Vuvuzela zwischen die kreischende Geige und die jaulende Sängerin gut passen würde. Dazu muss man wissen, dass ich bisher erst ein Mal in meinem Leben eine Vuvuzela in der Hand hatte und der Ton, den ich zustande brachte, sich in etwa so anhörte wie ein verendender großer Hund. Wenn jemand die Finger von der Vuvuzela lassen sollte, dann ich. Also passen wir drei musikalisch gesehen gut zusammen. Wir machen dann eine Band auf, das wär doch mal was. Am besten, wir spielen Hard Rock. Dazu brauchen wir dann nur noch einen möglichst unbegabten Schlagzeuger und am besten noch einen tauben Bassisten. Ach was, Schlagzeug. Ein paar Blecheimer tun’s auch. Und vielleicht ein Kettensägenmotor, wegen der Harmonie. Hat jemand Interesse?

2 Kommentare vorhanden.

  1. Peter schreibt am 11.07.2010 18:36:

    Na Bente, das wird ein Spaß werden! Viel Erfolg mit der Kombo! Ohrenbetäubungs-Vuvuzela, Rostige-Sägen-Sopran, Kreischgeige, Mülltonnenschlagzeug und Kettensäge. Perfekt. :-)

    Mülltonnenschlagzeug hab ich auch schon in angenehmer Musik gehört. Kettensäge kenne ich immerhin von aus Tervetuloa Mechtään (etwa “Willkommen im Wald”).
    Deine Vuvuzela kann man ja, wie du meinst, auch zu schöner Musik nutzen.
    Und ob das Publikum eure Quitschgeige und euren Quitschsopran gut finden findet ihr sicher beim ersten Auftritt raus ;-)

  2. Peter schreibt am 30.07.2010 15:09:

    Bekommt doch glatt eine Kollegin hier so eine Lärmmaschine von ihrem Sommerstudenten als Abschiedsgeschenk. Heute bisschen lauter bei uns…

 
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