NY Downtown
Inzwischen bin ich also seit 9 Tagen hier in NY. Gibts mal wieder ein Update / komplettes Durcheinander meiner Gedanken:
- Ich fang mal von hinten an: Ich sitze hier grade im Wohnzimmer. Vor mir mein Computer (mit neuer Batterie, danke Ebay, nach 3 Jahren hatte die alte vor 3 Wochen beschlossen den Geist aufzugeben) und ein Blogartikel mit 2 1/2 Zeilen (tendenz stark steigend). Weiterhin auf dem Tisch: Laugenbrezel zum Dippen in geschmolzener Toblerone (3 Sorten). Sehr lecker. Und warmer Pflaumenwein. Auch lecker.
- Bisschen Obst habe ich heute in Chinatown gefunden: kleine Bananen, einen Zimtapfel, 2 Kaki, eine gelbe Mango und in der Küche steht Zuckerrohr (für 6$ 1,5m, guter Deal, ich werd auch wieder was davon anpflanzen).
- Süßigkeitenladen war ich auch noch. Dachte ich zumindest am Eingang. Innen dann süße Oliven, salzig-süße Erdbeeren, salzig-süße Mango, salziger Ingwer, süße Tomaten. Naja, aber “normale” Sachen gabs auch noch. (“Normal” liegt ja nur im Auge des Betrachters. Also sind wohl meine Augen und chinesische Salz-/Süßigkeiten nicht kompatibel.)
- In einem Laden war ich, der hat einzig und allein ein Produkt verkauft: Essstäbchen. Nichts anderes. Ebenholz mit handgeschnitzten Drachen 200$ das Paar. Gut, man muss nicht alles haben.
- Im Moment sitzen 4 Zimbabwaner (Zimbabwesen, Zimbabwer?) und ein Swasilander (Swasiländer, Swaser? (Deutschland -> Deutscher, Swasiland -> Swaser???), wir trinken ein Bier und gucken “Dumm und Dümmer”. Gut, der Film ist wirklich dumm, aber mit den Leuten hier ist er gut :-)
- Hatte ich überhaupt erwähnt wie ich wohne? Ne. Also ich wohne mit 3 Zimbabwesen und einem Bostoner (Bostaner? Boss?) in der Mitte von Harlem 126th Street, Ecke Lennox Avenue. Das ist etwa 15 min nördlich vom Central Park. Also Nordmanhattan so ganz grob. Hier in der Gegend wohnen etwa 90% Afro-Afrikaner und Afrikaner. So 1km östlicher leben dann mehr Mexikaner, 1km westlicher wieder auch mehr Weiße. Cool, ich fühl mich wohl. ;-)
Ach ja, ich wohne 2min vom berühmten Apollo-Theater. Dort gewann z.B. Michael Jackson mal die berühmte Mittwochabend Amateur Night und schaffte damit seinen großen Durchbruch. - In der Bronx war ich auch schon ;-) Aber eigentlich nur über die Brücke und dort in ein Shoppingcenter welches mich mit Luftmatratze, Bettzeug, Vorhang und Hängeschrank ausgerüstet hat.
- Und überhaupt hab ich seit heute neue Schuhe! Aber dazu gibts nen extra Artikel ;-)
Das war auch eigentlich heute mein Ziel: neue Schuhe kaufen.
So, jetzt kommen mal noch schnell die Gedanken der letzten Woche:
- Ich hasse diesen Internetkram hier. Diesen Artikel hier hab ich bestimmt schon zweieinhalb mal geschrieben und es kackt jedesmal ab und speichert nix. Sehr gut. Und ich hab jetzt erst gecheckt warum: weil hier ein ungesichertes WLAN rumhängt von irgendeinem Nachbarn in das sich mein cleverer Computer einklinkt. Und weil es aus der Nachbarwohnung kommt ist das Signal schwach und bricht immer zusammen sobald man 15 Minuten gebloggt hat ohne zu speichern. Das ist vielleicht ein cleveres System, dass es mich nicht gleich in unser WLAN einwählt mit vollem Empfang. (Arghhhhhh) Irgendwie konnte ich aber doch was retten. Jetzt gehts weiter:
- Hab auch ein neues Handy hier. Musste bissl suchen, aber es gibt einen Anbieter der speziell für Immigranten anbietet und dem seine Auslandsgesprächskosten ziemlich niedrig sind. Cool. (Boostmobile verdienen an dieser Stelle mein Lob.) Will jemand die neue Nummer? Mailt mal. Oder ich schick mal ne Mail rum mit neuen Kontaktdaten.
- Apropos Kontaktdaten: ich hab ja seit Sonntag jetzt auch eine dauerhafte Bleibe hier. Ich verrat euch mal hier nicht die Hausnummer, sonst schickt ihr mir aus dem Iran Briefbomben mit SIM-Karten und dann bekomm ich hier wieder mal Probleme.
- Bevor ich noch die Bude hatte war hier Halloween. Das wird ja in Dtld nicht so gefeiert aber hier ist das ganz groß. Alle Kinder sind sehr lustig verkleidet und gehen in jeden Laden und bekommen dort Süßigkeiten. Und in Manhattan gibt es sowohl viele Kinder als auch viele Läden. Sehr lustiges Treiben. Am besten hat mir ein kleiner schwarzer Harry Potter mit Brille und blinkendem Zauberstab gefallen und ein 5-jährige aus “The Incredibles“.
So, jetzt nochmal paar kurze Gedanken weiterhin zu heute:
- Also an Ground Zero war ich heute auch. Das war … irgendwie krass. Zwischen all den Gebäuden rundherum fehlt einfach in der Mitte was. Großbaustelle stattdessen. Uha.
- Danach bin ich in der Wallstreet aufgekreuzt. Irre. Große Gebäude, sterile, betuchte Bauten. In deren Hallen pro Tag 44mrd $ an Wertpapieren gehandelt werden (sagt mein Reiseführer, Internet sagt “nur” 7mrd). Vierundvierzig Milliarden! Pro Tag!
Wisst ihr wie viel das ist?!? Das ist pro Nase auf Erden etwa 10$ am Tag. Und vermutlich ist das ja für 80% der Weltbevölkerung ungefähr nix. Also bleiben für jeden Einwohner der Industrieländer am Tag ungefähr 50$! Für jeden von euch werden am Tag in NY etwa 50$ Wertpapiere gehandelt! Das sind 1500$ im Monat. Die irgendjemand handelt mit irgendwelchem Geld. Vielleicht mit eurem.
Aber das ist nur die New Yorker Börse. “Die weltweiten Börsen sind mit einem täglichen Transaktionsvolumen von etwa 2 Billionen US-Dollar ein entscheidender Faktor der Weltwirtschaft”, seh ich hier grad. Ja holla die Waldfee! Minus die 80% der Weltbevölkerung die kaum Umsätze macht bleiben dann etwa pro Industrielandnase: 1000$ am Tag!!!!
Hulla, hoppla, wow!
Wie kann überhaupt jemand 1000$ pro Tag für mich verwalten, wenn eine normale mitteleuropäische Arbeitskraft 50-200€ am Tag verdient?
Muss ich das verstehen? - Neben sterilen, ehrwürdigen Gebäuden, in denen also pro Tag für mich Dutzende Dollars gehandelt werden von denen ich nicht mal einen blassen Dunst habe, gibt es einen Chocolatier. Der hat vorsichtshalber nicht mal mehr Preisschilder angebracht. Braucht er vielleicht auch gar nicht, wenn die Leute dort ihre USA-Morgens-um-halb-zehn-Knoppers mit der Visa Gold bezahlen…
- Zur Beruhigung bin ich danach noch bisschen auf die Brooklyn Bridge gegangen (die weltweit erste Drahtseilhängebrücke übrigens).
- Und zur vollständigen Beruhigung danach ja noch nach Chinatown.
Dort schwimmen die Abendessensfische in Aquarien im Restaurant, Menschen verkaufen Äpfel oder kochen Nudeln.
Wie unterschiedlich die Welt sein kann wenn man sich einen Kilometer bewegt.
Also das waren mal so die Gedanken der letzten Woche und von heute. Macht daraus was ihr wollt ;-)