Buy Nothing Day

Morgen ist hier in den Staaten ja Thanksgiving.
Das ist also im Ursprung der Sache der Tag im Jahr, an dem man Gott für die Ernte dankt.

Am Tag danach ist hier in den Staaten Black Friday.
Das ist der Tag um Jahr, an dem der Einzelhandel die Weihnachtseinkaufszeit mit vielerlei Schnäppchen und abartigen Ladenöffnungszeiten einläutet.

Das erste feiert, dass wir unsere Grundnahrungsmittel auf dem Esstisch haben und nicht verhungern.
Das zweite feiert, dass wir viele Schnäppchen auf dem Gabentisch haben und wir im Überfluss leben.

Als Europäer ist einem der Black Friday vermutlich kein Begriff. Hier hört man seltsame Geschichten drüber. Letztes Jahr wurde eine Kundin bei einer Stampede zu Tode getrampelt. In Mekka passiert das, wenn ein Feuer ausbricht, oder in wenn aufgeheizte Sportfans durchdrehen oder auf Rockkonzerten wenn die Leute ihre Gehirne ausschalten. Am Black Friday in USA passiert das, weil die Leute die Droge Kaufrausch im Blut haben und alle gleichzeitig etwas kaufen wollen – ohne Rücksicht auf Verluste.
Klingt pervers.

Jetzt kommts noch perverser: die Ladenöffnungszeiten am Black Friday beginnen, nicht wie man es vielleicht vom gesitteten deutschen Schlussverkauf gewöhnt ist, um 3 Uhr. Morgens!
Ungelogen, die Werbung sagt, dass Target um 4am aufmacht! Kohl’s sogar um 3am!
Und dann strömen die ersten Schnäppchenjäger in die Läden.
Und trampeln andere tot – wenn es sein muss.

Das ist also das Thanksgivingwochenende in den Vereinigten Staaten von Amerika, der konsumstärksten Industrienation der Erde.
(Viele Familien machen auch Ausflüge, nicht jeder rennt die Ladentüren ein.)

Und weil manche Leute sagen, dass ihnen das Konsumverhalten allgemein und vor allem dessen Ausuferung am Black Friday nicht so gut gefällt, haben sie beschlossen an diesem Tag gar nichts zu kaufen. Keinen Cent ausgeben. BUY NOTHING DAY!
Verbringe einfach mal einen Tag damit NICHTS zu kaufen.
Ist man gar nicht mehr gewohnt heutzutage.

Keinen Coffee-to-go auf dem Weg zur Arbeit, weil man daheim erst hätte die Kaffeemaschine anschmeißen müssen.
Kein Croisant auf dem Weg zur Arbeit, weil daheim mal wieder keine Zeit zum Frühstücken hatte.
Keine Zeitung in der U-Bahn, weil Bücher ja so schwer in der Tasche sind.
Keine Limo um 10am.
Kein Kantinenessen, weil Tupperboxen mitnehmen ja uncool ist und umständlich und überhaupt müsste man dann ja am Vortag ernsthaft kochen oder sich in der Früh Gedanken und gar ein Pausenbrot machen.
Kein Besuch beim Bäcker für ein Stück Kuchen in der Nachmittagspause, weil dieser Bäcker den besten Kuchen bäckt.
Kein Reinspringen in den Laden, weil man noch Chips für den Fernsehabend braucht.
Kein Bestellen von Pizza am Abend, weil die so bequem geliefert wird.
Kein um die Ecke zum Dönermann gehen, weil man nicht kochen will.

So ein Tag ungefähr.
Man gibt einfach mal einen Tag lang kein Geld aus.
Und denkt darüber nach, wo man sonst so die ganze Zeit Geld ausgibt.

Das langt dann eigentlich schon als Übung. Bisschen Bewusstsein wecken.

Hab das meinen Mitbewohnern erzählt.
Tamukas Mutter kommt zu Besuch – zum Einkaufen. Okay, immerhin ist es ihm bewusst, dass Buy Nothing Day existiert und warum. Selber aktiv teilnehmen kann er wohl dieses Jahr nicht ;-) Aber sein Bewusstsein ist geweckt. Ziel erreicht.
Mahluli meint er will das so weit es geht unterstützen. Cool. Er will den Tag mit seinen Neffen verbringen und in den neuen Harry Potter gehen. Hm, Geldausgeben. Aber das macht er mit Absicht, weil sie nämlich, wenn sie nicht ins Kino gingen an dem Tag einkaufen gehen würden. Na dann ist ja alles super. Zwar kein vollkommener Verzicht, aber er reflektiert die Idee super wieder.
Dann hab ich zumindest bei zwei Leuten schon mal ein bisschen was erreicht. Ich fühl mich gut.

Müssen nur noch ein paar Leute diesen Artikel lesen und das auch machen :-)

Dann wünsch ich mal einen schönen einkaufsfreien Buy Nothing Day 2010!

2 Kommentare vorhanden.

  1. N ele Mauer schreibt am 27.11.2010 22:55:

    Hi, Peter!
    Stand bei uns auch in der Zeitung, daß es das bei uns auch geben könnte. Aber es kam zu kurz angekündigt – sonst hätte ich gestern schon die Zutaten zum Plätzchenbacken gekauft. Ansonsten fällt es uns in unserer Provinzstadt Lichtenberg schon etwas leicht, mal überhaupt ein paar Tage nichts einzukaufen – es gibt fast nichts! Des ist doch auch ein Lösung, oder?
    Aber so konnte ich den Plätzchenteig heute Abend doch noch vorbereiten – morgen mach ich sie dann und es wird lecker nach Weihnachtsplätzchen duften – hmm
    Nele

  2. Peter schreibt am 28.11.2010 06:10:

    Also bei mir hat das gestern ganz gut geklappt. War den ganzen Tag mit dem Rad unterwegs und hatte all mein Essen mit.
    Dafür war ich dann heute wieder einkaufen. Aber, obwohl ich einen ganzen Haufen gekauft habe, ist mir doch mal wieder aufgefallen, wie wenig Fertigprodukte ich kaufe. Ich kaufe lieber eine Dose Bohnen statt ein fertiges Chili. Wenigstens etwas, wenn ich schon auch zu viel kaufe. Und generell bin ich ja mehr ein Freund des selber kochens und auswärts essen tu ich seltener.

 
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